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7. Teil Uganda: Ishasha National Park – Zu den baumkletternden Löwen

16. Juni 2012
6. Teil Uganda: Queen Elisabeth National Park
14. Juni 2012
8. Teil Uganda: Lake Mutanda – Das Nkuringo Gorilla Tracking
18. Juni 2012
 

15. Juni 2012: Ishasha - Communities versus Goverment versus Park

H eute geht’s früh los, um in Ishasha, im Südwesten des QENP, die baumkletternden Löwen zu sehen! Betty von der Lodge begleitet uns. Sie war mal Rangerin im Park und scheint sich ganz gut auszukennen. Wir fahren zuerst den Northern Loop. Dieser hat weite Savannen und weniger Bäume, als der Südteil. Und hohes – nein, sehr hohes – Gras. Dagegen war das Gras in den anderen Parks, ein englischer Rasen… Deshalb sehen wir nur ein paar Antilopenköpfe oder Hörner aus den Halmen rauslugen. Also Köpfe nach oben…

 

Dann geht’s in den Nordteil, wo sich die Löwen aufhalten sollen. Wir umrunden gefühlt jeden Baum. Aber wir sehen – nichts. Also weder einen Löwen, noch sein potenzielles Futter. Gar nichts. Baumlandschaft ohne Tiere! Nach 3 Stunden Baumkarussell , geht’s zurück ins Camp.

Als wir uns entstauben wollen, erkennen wir den Nachteil der Dusche(das ist der Vorteil, wenn man eine Lodge mal tagsüber sieht) Die Überdachung ist aus Plastik und so haben wir mittags Backofen-Temperaturen. Dafür ist die Dusche heiß… Immerhin haben wir einen Frosch im Waschbecken. Außer den Moskitos bleibt der auch das einzige Tier, was wir an diesem Tag noch sehen sollten.

 

Der Evening Drive ist so langweilig, dass ich beim Tippen einschlafen würde…
Deutlich interessanter ist dafür der Abend. Wir unterhalten uns lange mit Betty. Sie erzählt uns viel von den Nationalparks und den umliegenden Communities. Bisher wurden wir ins allen Nationalparks darauf hingewiesen, dass 20% der Parkeinnahmen an die umliegenden Dörfer gehen – zu Bau von Schulen, Infrastruktur etc. Eigentlich eine coole Sache.

Betty erzählt nun: die 20% gehen an den District. Dieser verteilt die Gelder wohin auch immer – die Communities sehen in der Regel nichts davon. Da die Parks nicht eingezäunt sind, werden Ziegen gerissen, Felder von Baboons und Elefanten zerstört, so dass zum Teil eine 24h Bewachung des Ackerbaus betrieben werden muss. Gerissenes Vieh wird in der Regel nicht ersetzt (obwohl es dazu offenbar eine Abmachung zwischen Goverment und Communities gibt). Die Begründung lautet wohl, die Bauern wollten auf Staatskosten ihre Herden vergrößern. Die District-Verwaltung (oft meilenweit von den Parks entfernt) wisse nichts von jagenden Löwen…

Daher ist das Verhältnis der umliegenden Dörfer zu den Nationalparks nicht das allerbeste.

Für den Tierschutz wird in Uganda inzwischen einiges getan. Einige Wochen zuvor, wurde ein Krokodil, das am Lake Victoria in einer Woche 4 Menschen verspeist hat, in den Murchinson Falls NP umgesiedelt. Willi spricht den naheliegenden Gedanken aus:“What for? To eat the people at Murchinson Falls?“ Da immer wieder Menschen beim Wasserholen in den Flüssen von Krokodilen angefallen werden, stößt eine solche Aktion bei der Bevölkerung natürlich auf Unverständnis und Ablehnung.

Andererseits wird durch das recht hohe Bevölkerungswachstum in Uganda jeder freie cm des Landes kultiviert. Die Wälder werden abgeholzt, um Ackerbau zu betreiben. Die Parkgrenzen sind nicht klar definiert, so dass die Felder immer näher an die Nationalparks rücken - teilweise sogar in diese hinein. Die Menschen brauchen Platz – die Tiere ebenso. Ein Dilemma, das sicherlich nicht so einfach zu lösen sein wird.

Mit gemischten Gefühlen gehen wir schlafen.

 

16. Juni 2012: Das Abenteuer Bwindi beginnt, endlich!

Das Handy reißt uns um 6.00 Uhr aus dem Schlaf. Es gibt zwar kein Licht, aber wir sind ja schon geübte „Mit-Taschenlampe-im-Dunkeln-Duscher“ :laugh: . Nach dem Frühstück geht’s Richtung Bwindi Impenetrable National Park. Also grob… denn in Wirklichkeit liegt unsere Lodge am Lake Mutanda, anderthalb Stunden vom Park entfernt.

Der erste Eindruck vom Bwindi ist traumhaft.

 

Dafür sind die Straßen eine Katastrophe. Kein Wunder, es ist ein Regenwald und so rutschen wir durch Schlamm und Morast.

 

Mir geht das Geröhre vom Landi inzwischen tierisch auf den Keks. Also hab ich meine Kopfhörer in die Ohren gesteckt um mal was anderes als „rörrrrörrörrrr“ zu hören. Den Spaß am Gerüttel hab ich ja immer noch. Deshalb verpasse ich auch die Konversation und sehe nur, wie Christoph auf Willi einredet. Hm? Es fängt an zu stinken. Und… es qualmt. Aus der Motorhaube. Kopfhörer ab: „Willi! Whats that???“ Christoph zuckt nur die Schultern und meint, Willi sei bezüglich Qualm und Gestank beratungsresistent. Wir qualmen solange weiter, bis wir fast nichts mehr sehen. Dann findet auch Willi die Situation ungewöhnlich und wir halten bei einer kleinen Siedlung.

Sobald wir anhalten, sind wir wieder umringt von Leuten. Als der Landi endlich ausgequalmt hat, kann Willi die Motorhaube öffnen. Der Kühler hat einen fetten Riss. Sofort startet eine heftige Diskussion. Willi will Wasser nachfüllen. Gute Idee... Christoph meint, mit dem Riss sei das ziemlich zwecklos. Punkt für Christoph!

 

Als ich mich an die Seite setze, bis ich in Sekundenschnelle von Kindern umringt: „Some sweets?“ „Give me your pen!“ „Do you have books? Give me your books!“ “Give me money!” Okay, jetzt weiß ich immerhin, was Touris normalerweise abdrücken. Darauf hab ich jetzt gar keinen Bock! Verhandlungsbereit bin ich bei unseren letzten Keksen, die ich zum „Teilen“ rausrücke. Schwerer Fehler! Teilen zieht nicht. Dafür betteln die anderen Kinder noch mehr. Und der neue Keksbesitzer haut ab. Total blöde Idee!!!

 

Dafür sehe ich wie Willi nun Sand zusammen kratzt, um den Kühler zu reparieren. Christoph ist fassungslos – ich finde das Gemisch aus Sekundenkleber und Sand sieht super aus. Okay… mein technischer Sachverstand ist eher rudimentär bzw überhaupt nicht vorhanden. Aber schließlich haben wir ja keine Wahl…und nach anderthalb Stunden kann es sogar weitergehen. Punkt für Willi!
Am Lake Bunyonyi machen wir eine kurze Pause. Der See ist recht schön, zumindest von diesem kurzen Zwischenstopp aus. Trotzdem sind wir froh, als es weiter geht. Denn wir wollen endlich mal eine Lodge im Tageslicht sehen – und gerade stehen die Chancen sehr gut!

Am Lake Bunyonyi reicht es leider nur für einen kurz Zwischenstopp


„Auf afrikanischen Straßen gilt das Recht des Stärkeren - eigentlich!”

Wir genießen die schöne Landschaft – die nächsten 20 min. Dann bockt der Landi. Und geht aus. „Something with the clutch!“ meint Willi. Wir stehen auf einem recht steilen Berg. Da wir vorwärts nicht rollen können – rollen wir rückwärts. Der Abhang hat natürlich keine Seitenbegrenzung. Und ist wirklich sausteil!! Dazu ist Willi ein Rückspiegel-Rückwärtsfahrer. Das heißt, er dreht sich nicht um, lässt die Karre rollen und ich starre den mörder Abhang runter. OMG! Außer Christophs gelegentlichem „Fuck!“ hören wir keinen Mucks. Also das ganze Spiel noch mal.

Aber nicht mehr auf grader Strecke – jetzt mit Kurve rückwärts. Bevor mein Herz ganz aussetzt kommt das erlösende „tucktucktuckrörrrörr“ des Motors. Die Freude ist kurz. Denn Willi kriegt keinen Gang rein. Würg, würg am Schaltknüppel und irgendwann ist der 3. Gang dann doch so freundlich und gibt nach. Phuuuu… jetzt darf die Karre nur nicht mehr ausgehen. Da wir nur den 3. Gang zur Verfügung haben und dieser ziemlich intolerant gegenüber niedriger Geschwindigkeit ist, müssen Fahrräder, Menschen, Ziegen und Rinder eben schauen, dass sie abhauen. Eigentlich... denn wer schon mal diesen dämlichen Rindern auf der Straße begegnet ist, kennt ja den Spaß. Also heißt es immer wieder Kuhslalom.

Das geht solange gut, bis eine Baustelle kommt. Rechts wird geteert – links fahren alle. Also auch der Gegenverkehr. Sprich, langsam an einander vorbei fahren ist nicht. Halten erst recht nicht. Macht nichts, der Gegenverkehr - vor allem die großen LKW – macht‘s genauso. Hier gilt normalerweise „das Recht des Stärkeren“. Das sind wir zwar eindeutig nicht – aber wer hat schon immer die Wahl?

 

Willi heizt auf die menschlichen Stoppschilder (Fahnenschwenker) zu, saust an entgegenkommenden Lastwagen vorbei, umschlingelt Dampfwalzen… Augen zu und durch (zugegeben, das mache ich und hoffe, dass Willi nicht auf dieselbe Idee kommt).

Nach gefühlten 12 Herzinfarkten, nähern wir uns Kisoro. Die Bodenwellen (Humps) , die ca 5 km vor jeder Stadt mit Teerstrasse fürchterlich nerven, müssen wir ignorieren. Hopps hopps! Inzwischen hat der Galgenhumor gewonnen und wir machen nur noch blöde Witze. So hoppeln wir – immerhin lachend - bis zur nächsten Werkstadt.

Während der Landi „first Aid“ bekommt, sitzen wir auf einer ziemlich runtergekommenen Terrasse eines total abgefuckten Motels. Und beobachten das Treiben. Kisoro ist vor allem als Flüchtlingsstadt bekannt. Wir sehen UNHCR LKW, an der Kongolesischen Grenze Flüchtlinge einladen und zum Zeltcamp bringen. Die Vorstellung, dass wir in den Kongo fahren sollten, um Gorillas zu tracken – während uns an der gleichen Grenze um ihr Leben flüchtende Menschen entgegenkommen, ist total absurd…

Beim Drink lernen wir dann Joe kennen (bzw. er uns). Er sieht aus wie ein Rastafari und ist Reiseleiter. Scheinheilig frage ich ihn nach dem Zustand des Virunga National Park im Kongo (der ja lt. unserem deutschen Reiseveranstalter absolut sicher sein soll). Joe schaut mich an, als sei ich bescheuert (zu Recht). Da wurde letzte Nacht noch geschossen… Als er unser Interesse an der Situation und den Flüchtlingen bemerkt, bietet er uns stattdessen einen Borderdrive an. Bei dem er uns zum „Flüchtlings-Kucken“ an die Grenze fahren würde. NEIN DANKE!!!

Das Gespräch ist hiermit beendet. Und nach insgesamt 2 Stunden ist der Landi fertig und wir können weiterfahren. Über die Berge geht es zu Lake Mutanda.


 

Eine gute Stunde später sind wir dann auch in der Lodge. Preisfrage: Gab‘s noch Tageslicht???

 

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