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Teil 8 Kenya: Lake Naivasha – Hell’s Gate Nationalpark

7. Januar 2013
Teil 7 Kenya: Lake Nakuru – Wo sind all die Flamingos hin
4. Januar 2013
Teil 9 Kenya: Nairobi – Ein nächtlicher Ausflug in den Kibera Slum
10. Januar 2013
 

5. Januar 2013: Die feine britische Art in Afrika

M orgens früh starten wir zum nächsten Gamedrive. Der See ist traumhaft! Ich setze mich auf Dach des Landis und genieße die Stimmung. Etwas entfernt sehe ich Nashörner. Nice, aber die müssen warten.

 

Leider hat Chris die Nashörner auch gesehen: „da! daaaa!“ Neeeeee. Ich will noch die Flamin…..uuuppsss… nix da! Chris tritt aufs Gas. Ich fliege fast vom Dach. Als ich meckern will, muss ich mir anhören: Für so geile Nashörner müsse man auch kleine Opfer bringen… (das merk ich mir!)

 

Als Kompensation für den Mantafahrer-Start zu den Nashörnern will ich zum Baboon-Cliff-Lookout. So ganz aufgegeben hab die Hoffnung auf tausende von Flamingos noch nicht. Und ich bin damit nicht allein. Oben angekommen treffen wir jede Menge Safarifahrzeuge, Touris und deren Guides. Dazu Baboons, die mehr oder weniger erfolgreich in die offenen Fahrzeuge einbrechen und unter dem Geschrei der Guides und Touris mit ihrer Beute flüchten (hehehe…).

Wie alle anderen, starren wir nun auf den See. Nice – aber nix mit Flamingos. „MAMBA!“ einer der Guides schreit auf. Was? Wo? Ich seh was Dunkles zwischen den Steinen. Zu schnell weg. Mist! Da noch mal einen Streifen. Knips. Shit… Die Baboons und die Rock Dassies haben den (unwillkommenen?) Besucher auch entdeckt. Sie sehen offenbar mehr als wir… und wir folgen den ängstlichen Blicken. Dann sehen wir die Schlange. Sie schlängelt gemütlich auf uns zu. Okay, ganz wohl ist mir dabei nicht. Ich gebe zu, auch wir halten sie für eine Mamba (es entbrannte vorort eine Diskussion, ob es eine Kobra, Mamba oder Blindschleiche ist). Chris ist offenbar alles wurscht: klick klick klick … da! oh cool! Klick klick. Je näher die Kobra-Mamba-Schleiche kommt, desto besser…

Irgendwann reicht es mir. Ich springe zurück und droh mit Scheidung, falls er sich beißen lässt. Zugegeben, ich war leicht panisch (wer will schon die schweren Koffer alleine nach Hause schleppen?). Aber auch Chris im Schlangenrausch, merkt den Logikfehler nicht, hat aber offenbar genug Bilder und verläßt die Gefahrenzone. Die coole Schlangenshow hat nun auch die fehlenden Flamingos völlig zufriedenstellend kompensiert. Und sogar Chris gibt zu, dass ich ausnahmeweise mal eine gute Idee hatte und der Lookout lohnenswert war.

 

Dann heißt es auch schon Good-bye. Auf dem Weg zum Lake Naivasha orakeln wir einen leeren Tank.

Die Jungs an der Tanke entdecken sofort, dass sich die Motorhaube nicht mehr völlig schließen lässt (dass wir den Landi nicht umgetauscht haben, bedeutet ja nicht, dass nicht noch ein paar Kleinigkeiten dazu gekommen wären ). Und natürlich wollen sie Öl nachfüllen.

„Don’t touch this car!“

Diesmal ist Chris schneller. Als er erzählt, was alles kaputt war/ist (definitiv wäre es schneller gegangen, wenn er aufgezählt hätte, was noch funktioniert) erntet er Gelächter und die Empfehlung der Tankstellen Boys, dass neues Öl für den Motor wohl eine Fehlinvestition sei.

 

Zum ersten Mal erreichen wir bei Tageslicht unsere Lodge. Den Lake Naivasha Country Club. Ich weiß, dass diese Logde scheiße-teuer ist, aber wir haben über Expedia gebucht und nicht scheiße-teuer bezahlt. Und offenbar sehen wir (im leichten Schlamm-Look mit passendem Auto) nicht so aus, als könnten wir uns den Luxusschuppen leisten. „Stop! You need a reservation!“ Der Einfahrts-Wauwau lässt uns nicht durch. “We have a reservation!” Ätsch! Musternder Blick von oben nach unten. „No you need a reservation for the Country Club!“ “That’s what we have!” Er schleicht (angewidert) ums Auto und will dann unsere Reservierung sehen. Was???? Das ist uns in all den Jahren Afrika noch nicht passiert.

Als er schließlich die Schranke öffnen muss, schaut er uns leicht entsetzt hinterher. Kaum vor der Nobelherrberge angekommen, wissen wir warum. Hier wimmelt es vor Bügelfalten, weißen Hüten und sogar weißen Handschuhen. Mit fettem Grinsen parken wir unseren Dreckspatz zwischen all den blitzend-neuen und geputzten Autos. Kaum ausgestiegen spüren wir die entsetzten und neugierigen Blicke der Weißhüte. Nein, wir haben keine ansteckenden Krankheiten und pöbeln auch nur ganz selten rum. Bevor ein Unglück passiert, gehe ich zum Hotel-Manager:

„Don`t touch this car!

Make sure that it won’t be washed…“ Immerhin hat er Humor und verspricht, stets ein Auge auf unseren Landi zu haben.

 

Auf unserem Zimmer angekommen, sind wir ziemlich enttäuscht. Dafür solche Preise zu verlangen, ist wirklich frech. Das Bad wurde offenbar seit 100 Jahren nicht mehr renoviert. Das Restaurant macht allerdings einen auf nobel. Ebenso wie die Insassen.

Einzig wir haben keine schlammfreien Hosen mehr – und fallen dementsprechend auf. Anyway, unsre Klamotten sind zwar schmutzig, aber nur mit einer Knarre im Rücken würde ich mich in so eine scheußliche Windsor-Burberry-whatever Safarihose pressen lassen.

Good night, British Tea Party!

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Lake Naivasha

 

6. Januar 2013: Der Lake Naivasha

Oh No! Schon vor dem Aufstehen ist uns der Morgen im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt. Es gießt in Strömen…

Die Anlage des Country Clubs ist sehr weitläufig. Schön eigentlich – aber nicht, wenn man durch Flüsse von oben und unten rennt. Angekommen im Restaurant sind wir klatschnaß. Unser getrockneter Dreck auf den Klamotten hat sich inzwischen wieder in Matsch verwandelt. Und dieser traurige Anblick zieht wiederum die abschätzigen Blicke der Snobs auf uns. Das Wetter macht so gar keine Lust auf Ausflug. Aber in der Lodge abhängen ist auch langweilig. Also fahren wir mal um den Lake Naivasha. Das ist nicht so einfach. Denn wollte uns der Gate-Wauwau nicht rein lassen, dürfen wir jetzt nicht raus. „Did you pay the bill???“ „No, we‘ll come back“. „YOU COME BACK?“ Ich erkläre ihm, dass wir drei Nächte gebucht haben und auch hier verbringen werden. Das bringt ihn völlig aus der Fassung. Er starrt auf den Landi, starrt auf uns – aber da uns weder Hunde noch ein rechnungsschwingender Manager verfolgen, dürfen wir raus.

Endlich in Freiheit, sehen wir unzählige Gewächshäuser, die sich am Lake aneinander reihen. Offenbar zur Blumenzucht für den europäischen Markt. Irgendwann erreichen wir Elsamere, das ehemalige Wohnhaus von Joy und George Adamson, die ihre Erlöse aus Büchern und Filmen, wie „Frei geboren“ für den Umweltschutz spendeten. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wäre der Hells Gate Nationalpark nicht entstanden. Eigentlich stand dieses kleine Umweltschutzzentrum und Museum nicht auf unserem Reiseplan. Aber wenn wir nun schon mal da sind….

Wir tapsen durch‘s das Wohnhaus, das aus einem Zimmer, einem Souvenir Shop und einem Videoraum besteht. Das Video ist recht spannend. Der Rest ist völlig unspannend. Das Wetter, die wenigen Besucher (wir) und sogar der Mangel an den versprochenen Colobus-Äffchen hinterlässt bei uns einen eher morbiden Eindruck und wir verschwinden wieder Richtung Snob Country.

Da wir immer noch keine Bleibe für die letzten drei Nächte haben, durchforsten wir das Internet. Kein Spaß… Immerhin haben wir rausgefunden, wo man sitzen muss, damit das Wlan halbwegs funktioniert. Die Auswahl an Unterkünften ist schwierig… also vertagen wir die Angelegenheit. Zumal wir inzwischen den Rest unserer Tusker-Vorräte leergesoffen haben… wollen wir uns nur noch durch die Weißhüte Richtung Restaurant schieben. Einen Vorteil hat unser Outfit: wir haben über all Platz, keiner mag an den zwei Schmutzfinken vorbeidrängeln. Gut so, sonst kriegt die gute Windsor Hose noch ein Fleckchen und alle Safari-Fotos sind auf ewig verdorben!

 

7. Januar 2013: Der Lake Naivasha

Heute meint es das Wetter wieder gut mit uns. Sonne! Beim Frühstück beschließen wir, das Drei-Nächte-Problem in Nairobi zu einem Zwei Nächte-Problem zu machen und hängen noch eine Nacht im Country Club dran. Wir können zu den gebuchten Konditionen verlängern (offenbar hätte sich der Hotel Manager die vorher ansehen sollen, denn bei der Rechnung fällt ihm die Kinnlade ordentlich runter). Dann geht’s Richtung Hell’s Gate Nationalpark. Dummerweise fahren wir durchs falsche Gate und sehen den Park von seiner bezaubernden Seite…

Irgendwann erreichen wir den Fischer’s Tower und wollen den Spaziergang durch die Njorowa-Schlucht machen. Dazu müssen wir einen Guide buchen, der uns den Weg zeigt, da die meisten Wege vom Regen weggespült wurden.

Moses ist höchstens 19 Jahre alt, klein und sehr schmächtig (dass seine Statur für mich noch eine Rolle spielen würde, ahne ich zum Glück noch nicht). Wir steigen die Schlucht hinab und werden mit einer traumhaften Landschaft belohnt.

 

Irgendwann geht es wieder hoch. Blöderweise hab ich eine seltsame Variante von Höhenangst: Mir macht es gar nix aus, wenn eine optische Begrenzung da ist (und sei es nur ein Seil :blush: ). Ohne diese krieg ich Panik. So auch jetzt. Es geht einen sehr (SEHR!) schmalen und glitschigen Weg entlang der Felsen. Weit unter mir die Schlucht. Shit! Shit! Shit! Nicht nach unten kucken. Bloß nicht nach unten kucken!!! Konzentriert mit leicht grünlicher Gesichtsfarbe bereite ich mich auf mein baldiges Ende vor. Chris kennt ja mein Problem und versucht mich mit Smalltalk abzulenken. „Schau mal die schöne Schlucht“. Ey Alter, hab ich ne Lebensversicherung von der ich nix weiß??? Er redet weiter…blablabla… „Du sagst ja gar nix?!?“ Wenn ich hier lebend rauskomme, bring ich ihn um!

Dazu hab ich keine Gelegenheit. Kaum sind wir ein paar Meter durch sicheres Gestrüpp gelaufen, zeigt Moses in eine Richtung und meint, da müssten wir weiter. Wo da? Ich seh nix… Na da runter. Ich geh auf die Knie und schau nach unten. Eine steile Wand. Dass es kein Geländer gibt oder Stufen brauch ich wohl nicht zu erwähnen… „Hahaha… you are joking!“ No! „Auf keinen Fall gehen ich da runter!!!“ Moses erklärt, ich hätte keine Wahl. Das sei der Weg… aber er würde zuerst gehen und mich auffangen. Er ist ungefähr halb so groß und halb so schwer wie ich. Wenn ich falle, mach ich ihn platt, wie der berühmte Elefant die Maus. Nicht wirklich vertrauenserweckend…

Ich gehe im Kopf meine Alternativen durch:
Alternative 1: Heulen! (Danach wäre mir jetzt zumute, bringt mich aber im Ernstfall nicht wirklich weiter.)
Alternative 2: Hysterischer Anfall! (Hatte ich noch nie. Bezweifele aber dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, das mal auszutesten).
Alternative 3: Augen zu und durch! (ist ehrlich gesagt, die am wenigsten favorisierte Alternative, aber sicher die Effektivste)

Also wähle ich Alternative 3 und beschließe doch lieber die Augen offen zu lassen. Mit mehr Schiss als Vaterlandsliebe setze ich den ersten Fuß ins Loch. Suuuper. Das ist auch noch glitschig und viel zu klein für europäische Durchschnittsfüße. Meine Hände in glitschigen Löchern, meine Zehen in einem anderen Loch suche ich nach dem Halt für den zweiten Fuß. Chris hat mir inzwischen die Kamera abgenommen. Ich fürchte, weniger um ein letztes Foto meiner sterblichen Überreste zu schießen, wenn ich tot im Bach liege, als mehr um die Kamera zu retten. Nicht nach unten kucken! Da an der Wand hängen, wenig verlockend ist, kraksel ich Schritt für Schritt weiter. Wenn ich schon da durch muss, soll es nicht ewig dauern.

Unten angekommen, meint unser Guide: Leider müsse ich noch unter dem Wasserfall durch. Leider??? Ich hab überlebt! Ich bin unten! Sch.. auf den Wasserfall. Nass werden ist ja schon Pflicht diesem Urlaub. Mit fettem Grinsen seh ich zu, wie Chris sich die Wand nach unten flucht.

 

Überhaupt höre ich den ganzen Tag mit Grinsen nicht mehr auf. Das Coole an Afrika ist, dass man hier Dinge tut, die man zuhause für absolut unmöglich hält. Nie niemals nie, wäre ich in Deutschland da runter! An diesem Tag frag ich Chris bestimmt 700 Mal, ob er gesehen hat, wie todesmutig ich da runter bin…wahrscheinlich nerve ich – aber egal, das hab ich mir verdient!

 
 

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