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1. Teil Uganda: Entebbe – Der Feind im eigenen Auto

5. Juni 2012
Uganda Rundreise
Moskito Tracking in Uganda
3. Juni 2012
2. Teil Uganda: Kidepo National Park – Der Norden und seine Rebellen
7. Juni 2012
 

04.Juni 2012: Das Abenteuer Uganda beginnt!

S unshine… Sunshine Reaggie… Um 2.45 Uhr dröhnt es aus dem Radiowecker. Wir sind noch müde und wollen eigentlich lieber liegen bleiben. Aber Uganda ruft! Das Taxi kommt natürlich viel zu früh. Trotzdem sind wir um 4 Uhr tatsächlich am Stuttgarter Flughafen.

Mit der KLM dürfen wir pro Person 2 x 23 KG mitnehmen. Das haben wir auch ausgenutzt, denn seit Wochen habe ich meinen Freundinnen Kinderklamotten für das SOS Kinderdorf in Kakiri aus den Rippen gelabert. Die sind nun fein verpackt in zwei türkischen Reisetaschen (erstanden von einem Habe-Alles-Laden für satte 2 Euro). 35kg Kinderklamotten, 38kg unser Zeug, sollte kein Problem sein – glauben wir…. Beim Wiegen verzieht sich das Gesicht der eh schon mürrischen Dame. Sie meint, der letzte Koffer wiege 25.5 kg und für die 2,5 kg müssten wir schlappe 100 Euro berappen. Der Hinweis auf die anderen, wesentlich leichteren Koffer bringt gar nix. Denn das Gewicht wird nicht addiert und unsere restlichen Koffer sind schon vom Band gerollt. So ein Pech aber auch! Wir packen etwas angefressen alle Bücher ins Handgepäck, schauen in das inzwischen noch säuerlichere Gesicht der Check-In Lady, dürfen aber weiter ohne zu zahlen. ÄTSCH!

Bei der KLM erwartet uns ein ausgesprochen netter Service. Der Aufenthalt in Amsterdam ist durch Cafes und Shoppingmöglichkeiten erträglich. Ich liebäugele mit einem niederländischen National Trikot (das Auswärtstrikot ist hammergeil), aber Chris droht mir sowas ähnliches wie die Todesstrafe an, also lass ich es…

Im Flieger nach Kigali/Entebbe kriegen wir erst mal einen Schock. In den Reihen vor uns sitzen ca 30 Kinder im Alter zwischen 5-12 Jahren. Na, das kann ja heiter werden…

Aber weit gefehlt! Die Kinder sind ausgesprochen ruhig und mit dem Board Entertainment völlig ausgelastet. Beim Zwischenstopp in Kigali (Ruanda) stellt sich raus, dass es sich um einen ugandischen Kinderchor handelt, der nun die wartenden Passagiere mit Songs erfreut. Echt cool!

Die Einreise in Entebbe dauert recht lang. Als wir an der Reihe sind, wissen wir auch warum: Die Dame bei der Passkontrolle nimmt die Fingerabdrücke von beiden Händen. Zum Schluss knurrt sie noch „Hmp“. Chris dreht sich zu mir um, er weiß nicht was „Hmp“ ist… ich weiß es auch nicht. Ich dachte, die gleichen Worte bei Unverständnis, nur lauter, zu wiederholen, sei eine typisch deutsche Eigenschaft… Nein, die Ugander können das auch! Nach drei lauten „Hmps“ hebt sie endlich den Daumen und wir wissen, dass sie den Daumenabdruck will. Phuuu, endlich durch – denken wir.

Bis zur Zollkontrolle. Da zeigt der Beamte auf meine türkischen Reisetaschen und fordert den Inhalt zu sehen. Also muss meine kunstvolle Verklebung dran glauben. Er starrt ungläubig auf zwei Säcke mit gebrauchten Klamotten. Die Erklärung mit dem Kinderdorf lässt er aber nach einigem Hin und Her gelten und wir dürfen durch.

Die Mitbringsel für das SOS Kinderdorf in Kakiri/Uganda


 

Das Abholen klappte einwandfrei und wir sind recht schnell bei der Lodge. Aber nicht bei unserer. Wir hatten das Boma Guesthouse gebucht, gebracht werden wir ins Gately Inn. Das Boma wäre voll, heißt es. Egal wir sind müde, das Zimmer ist schön, also nehmen wir‘s, wie es kommt. In Ermangelung anderer Getränke, stoßen wir noch mit zwei Nile Special Bieren auf unseren Urlaub an und gehen schlafen.

 
 

5. Juni 2012: Willi, Nashörner und sonstige Vegetarier...

„rrroooonk…rrrronk…rrooooonk“. Das Geräusch, das uns schon die gesamte Nacht versaut hat, weckt uns früh am nächsten Morgen. Die Lodge liegt an der Straße von Entebbe zum Flughafen und ist permanent befahren. Nach einer erfrischenden Dusche, aber immer noch mit kleinen Augen tapern wir zum Frühstück. Dort sehen wir am Nachbartisch zwei Ugander die uns eindringlich beäugen. Ob wohl unser Driver dabei ist? Chris hofft auf den Korpulenten. Ich hingegen finde, der sieht aus wie Idi Amin und setzte sofort auf den älteren, schüchternen.

„Idi Amin“ heiß in Wirklichkeit George. Er entpuppt sich als der Chef der ugandischen Partneragentur unseres deutschen Reisebüros und ist sehr nett. Vielleicht sollte ich doch mal an meinen Vorurteilen arbeiten? Der andere heißt Willi und ist unser Driver.

In unserem Reiseverlauf gibt es einige Änderungen, die uns auf dem ersten Blick nicht tragisch erscheinen (gut, dass wir noch nicht wissen, was das alles bedeutet). Nachdem das Gepäck verladen ist, geht es endlich los.

Willi unser Driver ist eher still, um nicht zu sagen „missmutig“. Aber gut, vielleicht legt sich das noch. Wir jedenfalls sind total gespannt und freuen uns schon auf dem Weg durch Entebbe über Märkte und das laute und geschäftige Treiben auf den Straßen. Leider will Willi nicht anhalten. So können wir nicht einmal in Ruhe fotografieren. Aus dem fahrenden Auto heraus wird das eine wacklige Angelegenheit...


 

Überhaupt stellt sich schnell raus, dass Willi und wir eine völlig diametrale Auffassung von der englischen Sprache haben. Das heißt, wir verstehen uns NICHT. Was nichts ausmacht, denn er redet eh fast nix.

Nach zwei Stunden erreichen wir das SOS Childrens Village in Kakiri. Im Gegensatz zum hektischen Leben sieht hier alles ganz geordnet aus. Wir gehören wohl zu den wenigen Besuchern aus Europa. Dementsprechend gut vorbereitet hat sich Sarah, die für die Patenschaften zuständig ist.

Wir fühlen uns wie die Queen auf Staatsbesuch und es ist uns ein wenig peinlich. Wollten wir doch keine Umstände bereiten. Wir bekommen eine Führung durch Schule, Wohnhäuser und Jugendhaus. Unser Patenkind Isaak ist geschätzte 13 Jahre (er wurde im Kleinkindalter gefunden und man weiß das genaue Alter nicht) und sehr schüchtern. Er freut sich aber über unseren Fußball und das EM Trikot (nein kein holländisches – ein Deutsches)

Seine „Mutter“, eine Dame, die ihn und 9 weitere Kinder aufzieht, ist total gerührt und dankt uns immer wieder mit Tränen in den Augen. Mann, jetzt komm ich mir richtig schäbig vor – Denn ich gebe nur Geld und diese Menschen widmen ihr Leben den Kindern. Und zwar mit völliger Hingabe und Herzlichkeit! Unsere Klamotten werden sehr begrüßt. Denn die Kinder haben außer ihrer Schuluniform nicht viel anzuziehen. Immer wieder gibt es Neuzugänge von Kindern bis zu sechs Jahre, wenn Ältere aufs College gehen. Die Kinder werden bis zu ihrem Uni Abschluß begleitet und bleiben in der Regel ihren „Familien“ auch weiterhin verbunden. Zum Abschied bekommen wir noch kleine selbst gebastelte Geschenke und wir sind glücklich über den wunderschönen Besuch.

 

Weniger glücklich ist Willi. Hatte er uns doch eine Stunde zugestanden und wir waren über 2 Stunden dort. Jetzt grummelt er vor sich hin. Offenbar ist er der Ansicht, dass wir den Rhino Walk im Rhino Sanctury verpassen würden. Wir steigen wieder in das Auto. Das auch eine kurze Erwähnung verdient hat: ein Toyota Landcruiser, geschätzte 200 Jahre alt. Der Tacho geht nicht mehr – macht nix, die Air Con ist auch am Arsch… Dafür gibt’s offene Fenster. Chris hat vorne null Beinfreiheit, kann aber nicht nach hinten, denn da gibt’s zusätzlich noch null Kopffreiheit. Letzter Tachostand war 465.000 km. Das muss aber schon ne Weile her sein. Zum Ausgleich sind alle Stoßdämpfer hinüber und meine Tür klemmt, so dass ich mich immer mit vollem Körpereinsatz dagegen werfen muss. Das ist aber noch lang nicht alles….. zum Glück ahnen wir das noch nicht.

 

Nach drei Stunden Geruckel im Landi erreichen wir die Ziwa Rhino and Wildlife Ranch. Die Ranger dort sind sehr freundlich und wir dürfen noch zum Rhino Walk starten. Ein Ranger steigt in unser Auto und los geht’s. Über Funk verständigen sich die Ranger, denn von den 12 Rhinos wird jedes einzelne bewacht, 24h am Tag! Es hat vorher geregnet und wir fahren durch Matsch und Sumpf. Während die 3 Männer beraten, wie man am besten weiter kommt, sehe ich das erste Rhino. Riesig groß.

Wie immer, wenn Männer mit Männersachen beschäftigt sind, hört Frau kein Mensch zu, als ich sage: Da ist das Rhino! Nein sie sind am diskutieren… HERRJEH! Beim dritten Mal, erringe ich die Aufmerksamkeit des Rangers und nun ist es egal wie die Reifen stehen, nun ist das erste Rhino ja da!

Wir dürfen noch zu einer weiteren Gruppe: drei Junggesellen im Alter von drei Jahren stehen auf dem Plan. Wir dürfen nicht nur aussteigen, unser Ranger führt uns bis auf 2 Meter an die Rhinos ran! HAMMERGEIL! Chris knipst sich die Finger wund, ich darf staunen. Wir verfolgen die Tiere eine Zeitlang, dann ist das Erlebnis auch schon zu Ende. Schade - aber es wird unvergesslich bleiben!

 

Unser Cottage ist einfach aber okay. Saubere Betten, Moskito Netz und warmes Wasser – aber kein Strom. Im Bad sitzt ein ziemlich hässlicher Frosch (in der Farbe „Chamois“. Für die Herren dieser Welt: das ist die ziemlich euphemistische Umschreibung für Damenunterwäsche in Hautfarbe…brrrrr). Ich überlege, ob ich mit dem ungebetenen Gast leben kann. Immerhin fressen Frösche ja Moskitos…

Zum Dinner gehen wir in das kleine Restaurant. Jetzt bin ich gespannt. Chris hatte irgendwo gelesen, dass man sich bei Fleischgenuss in Uganda ziemlich üble Darmkrankheiten holen kann. So hatte er im Vorfeld beschlossen, für diesen Urlaub zum absoluten Vegetarier zu werden. Mein „Urlaubsvegetarier“ bestellt sich dementsprechend auch gleich ein Beef!

???

Ich nehme mir vor, ihn demnächst mal zu fragen, was nach seiner Definition einen Vegetarier ausmacht. Aber für den Abend lass ich es gut sein.

Weiterlesen 2. Teil von Moskito Tracking in Uganda
 

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