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Letzter Teil Island: Von Mordor bis Hobbingen

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10. September: Vik und Kap Dyrhólaey

A uch das Frühstück ist gut und abwechslungsreich. Das Foss Hotel Glacier Lagoon können wir also uneingeschränkt empfehlen. Auf dem Weg wollen wir noch eine kleine, alte Kirche besuchen. Die soll ganz in der Nähe sein. Denkste! Zum ersten Mal sind wir froh über die asiatischen Touris – denn wir entdecken zuerst fünf Japaner, die in ein Auto steigen. Dann muss doch hier irgendwas sein?!? Tatsächlich finden wir hier die bezaubernde Hofskirkja die letzte erbaute Turfkirche (erbaut 1884). Leider können wir nicht rein – also geht es weiter.

 

Island ist einfach der Wahnsinn! Auf der Fahrt entdecken wir wechselnde und sehr unterschiedliche Landschaften, von rau und unwirtlich bis hin zu sanften, lieblichen Hügeln. Und wenn man genauer hinschaut, sieht man noch mehr: Die moosbewachsenen Lavahügel sind übersäht mit kleinen Flechten und Pilzen. Überall gibt es kleinere (und größere) Wasserfälle. Da diese nicht alle als Attraktion in den Reiseführern ausgewiesen sind, sind hier auch keine oder kaum andere Touristen. Das hat auch was... Doch egal wo man ist, fast überall tummeln sich Schafe! Kein Wunder, denn es gibt knapp eine halbe Millionen Islandschafe. Und immer wieder lässt sich der Gletscher blicken. Im Zusammenspiel mit den grauen Wolken und den herbstlichen Farben der Gräser und Moose eine unwirkliche Landschaft...

 

Unser nächstes Ziel ist Vík. Hier checken wir ins Hotel Dyrholaey ein. Dieses Hotel ist ein Symbol für den stetig wachsenden Tourismus in Island: Man erkennt deutlich, dass es permanent mit Anbauten erweitert wurde – auf dem Parkplatz entstehen schon weitere Bauten, die irgendwann den schönen Blick über die Landschaft versperren werden. Doch wir wollen ja hier nur eine Nacht verbringen und nach kurzem Koffer abladen, geht es schon wieder los.

Wir wollen zum südlichsten Punkt Islands – dem Kap Dyrhólaey, das für schroffen Felsformationen u.a. dem imposanten Torbogen-Felsen und den steil abfallenden Klippen bekannt ist. Eigentlich war Dyrhólaey eine kleine Inselgruppe, die allerdings heute durch Vulkanausbrüche, Gletscherläufe und aufgeschwemmtes Neuland verlandet sind und so mit dem Festland verbunden wurde. Um zum Kap zu gelangen, verlassen wir die Ringstraße und fahren eine Schotterpiste bis zur Küste. Es ist ziemlich stürmisch, das Meer peitscht die Felsen hoch, was aber Chris nicht daran hindert, mit seinem Stativ und Fotoapparat bewaffnet auf einen großen Felsen zu klettern. Ich bin „not amused“ und halte meine Bridge Kamera bereit, um notfalls das „famous last picture“ zu schießen, falls er vom Felsen geweht werden sollte...

 

Anschließend geht es zum Strand von Reynisfjara. Dieser besteht aus schwarzer Lava und zieht sich die gesamte Bucht entlang. Das Meer peitscht hohe Wellen an den Strand – und offenbar können unerwartet hohe Wellen zu tragischen Unfällen führen. Davor warnt zwar ein Minischild. Das ist tatsächlich so klein, dass wir es erst auf dem Rückweg entdecken. Na super! Vielleicht hätten wir es auch vorher gesehen, wären wir nicht die ganze Zeit über damit beschäftigt gewesen, uns über andere Touris aufzuregen, die auf den fragilen Basaltfelsen herumklettern. Unfassbar! Denn der brüchige, sehr weiche Basalt wird irgendwann abbrechen – und dann war’s das! Tatsächlich ist der Strand ein Traum, den die spitzen Felsen auf der einen Seite und die steile Küste auf der anderen (und die noch heilen Basaltfelsen im Hintergrund) sind wunderschön

 

Abends finden wir den sehr gemütlichen Pub, Halldorskaffi , der zwar komplett überfüllt ist, aber gutes Essen und das tägliche Viking bietet. Immerhin führt unser Alkoholkonsum (jeden Tag ein Bier) dazu, dass wir unsere Urlaubskasse regelrecht sprengen. Wir haben noch nie soviel Geld für Alkohol ausgegeben... aber nachdem wir – ums schlechte Gewissen zu beruhigen – die ersten Tage noch überlegt haben, ist das nun auch vorbei. Wir haben uns an die Preise gewöhnt und wollen unser Bier – basta!

 

11. September: Skógafoss und ein versöhnlicher Abschluss

Der Frühstückssaal ist ziemlich groß: als wir erscheinen werden wir schon von verschiedenen Busgruppen erwartet. Trotzdem hat man nicht das Gefühl der „Massenabfertigung“. Das Frühstück bietet eine große Auswahl mit guter Qualität und viel Obst. Uns fällt ein Schild auf, das darum bittet, das bereitgestellte Essen zu verzehren, aber nicht mitzunehmen. Solche Schilder haben wir öfters an den Buffets gesehen. Klar, sind Nahrungsmittel in Island teuer – aber vom Frühstücksbuffet mopsen muss auch nicht sein.

Unser erstes Ziel ist der Skógafoss und danach der Seljalandsfoss. Chris freut sich schon darauf, weil er im Vorfeld spektakuläre Bilder von beiden Wasserfällen gesehen hatte. Gerade vom Seljalandsfoss, wo man hinter dem Wasserfall – mit Blick auf die Landschaft - grandiose Bilder machen kann. Solche will er auch. Zuerst geht es nun zum Skógafoss. Doch von weitem erkennen wir das Malheur. Der Parkplatz ist voll mit Autos, Wohnmobilen und Reisebussen, vor dem Wasserfall tummeln sich die Touristen. Die meisten schießen lustige Selfies, beispielsweise mit offenem Mund, was suggeriert, dass der Wasserfall in ihren Mund läuft. Klasse...

 

Nach der Enttäuschung mit dem Rummelplatz-Wasserfall wollen wir aber noch was Schönes machen. Immerhin ist heute unser letzter Tag! Wir entdecken im Reiseführer das Freilichtmuseum in Skogar zusammen mit dem Verkehrs- und Kommunikationsmuseum. Letzteres bietet alte Autos, Flugzeuge, aber auch Telefone, Mobiltelefone, eine alte Poststation etc. Es ist der Hammer! Hier ist fast nichts los.



 

Die alten Gebäude (Häuser, Höfe, eine Schule und eine Kirche) sind verschiedene Originale aus unterschiedlichen Epochen. Sie alle wurden aus anderen Teilen Islands komplett abgetragen und in Skogar wieder aufgebaut. Allerdings ist vor allem das Interieur der Bauernhäuser teilweise ernüchternd. Nichts mit nördlicher Torf-Romantik, sondern eher eng, dunkel und klein. Und wahrscheinlich waren das sogar die reicheren Häuser.

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Island - Land der Gnome, Trolle und Elfen

 

Nach dem beschaulichen Hobbingen geht es weiter zum Seljalandsfoss. Auch hier das gleiche Bild vom Massentourismus. Autos und Asiaten so weit das Auge reicht. Hinter den Wasserfall Seljalandsfoss könnte man kommen, aber Chris ist die Lust vergangen, denn er würde weniger Landschaften als mehr selfieproduzierende Asiaten ablichten. Etwas – nein – schwer enttäuscht verlassen wir auch den Seljalandsfoss.

 

Wir beschließen zum Abschied noch einmal nach Reykjavik hineinzufahren. Am Hafen entdecken wir am Hafen riesige Schilder mit Landkarten, in denen die Schiffsunglücke der letzten Jahrhunderte eingetragen sind. Irgendwie makaber die Isländer (und nicht nur die, denn auch ich bin ziemlich fasziniert davon). Abends haben wir sogar noch Zeit für ein Dinner. Weil wir aber nicht mehr alle Speisekarten auf Preise (und Wahlfleisch, das wir auf gar keinen Fall essen wollen und auch nicht durch einen Restaurantbesuch unterstützen), gehen wir noch einmal ins Fish Restaurant vom ersten Abend und gönnen uns eine Fischsuppe.

 

Auf dem Weg nach Keflavík zum Flughafen lässt sich die Sonne noch mal blicken. Es ist unfassbar, die Halbinsel Reykjanes wird sofort in ein wunderschönes Farbenmeer getaucht. Dazu kommen dramatische Wolkenformationen. Ja, es ist überall sofort schöner, wenn die Sonne scheint: in Island allerdings sind die Sonnerstrahlen Magie und verzaubern das Land von Feuer & Eis in eine Märchenwelt!

 

Wir können uns viel zu spät losreißen. Doch dann muss alles ganz schnell gehen: Mietwagen betanken, Mietwagenstation von Procar suchen, verfahren, Panik bekommen und irgendwann mit Hilfe von Google Maps doch finden. Die Abgabe des Autos geht erstaunlich schnell und unkompliziert. Dann werden wir zum völlig überfüllten, viel zu kleinen Flughafen geshuttlet und es heißt: „Good-bye Iceland!

 

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