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Teil 3 Island: Djúpavík – Vom Arsch der Welt zu den Trollen

Teil 2 Island: Golden Circle – Vom Touristengetümmel in die Einöde
4. September 2016
Island Rundreise
Teil 4 Island: Húsavík – Wale und Wasserfälle
7. September 2016
 

5. September 2016: Die Fjorde rauf und wieder runter

I ch wache um 5 Uhr auf. Okay, dann kann ich ja mal nach Nordlichtern schauen... Die sehe ich natürlich nicht... Stattdessen jedoch einen wundervollen Sonnenaufgang und einen Delfin, der den ganzen Fjord entlang springt. Hammer! Irgendwie versöhnt mich das Erlebnis mit dem skurrilen Ort . Ich fange an, dem Zauber von Djupavik zu erliegen.

 

Also fahren wir statt auf dem schnellsten Weg zurück – erst noch einmal weiter die Fjorde entlang. Die Straße ist immer noch gruselig nah am Abgrund und die „Blindheads“ (Kuppen, über die man nicht drüber schauen kann) sind auch nicht beruhigend. Aber die Landschaft ist schroffer, das Meer strahlend blau und die Gegend wunderschön.

Wir fahren bis zwei Fjorde weiter in den Norden um die gegen noch ein wenig zu erkunden. Dann entschließen wir uns wehmütig zur Rückfahrt. Bis ins verschlafene Holmavik genießen wir die Fahrt und lassen uns Zeit.

 

Holmavik hat, als Bezirkshauptstadt, immerhin knapp 400 Einwohner. Der kleine Ort mit den bunten Häusern ist einfach bezaubernd. Das Museum für Hexerei und Magie hat ein kleines Restaurant, in dem wir uns erst mal einen sehr leckeren Latte Macchiato gönnen. Anschließend erkunden wir das Museum mit Büchern, Dokumenten aber auch mehr oder weniger okulten Gegenständen. Es ist ein bisschen gruselig - was aber weniger in der Zauberei, als mehr mit dem Hexenglauben des Mittelalters zu tun hat. Viel schöner ist der Haften im Sonnenlicht mit den bunten Schiffen. Hier wären wir sehr gerne noch geblieben und hätten den Tag genossen.


 

Aber wir müssen die Westfjorde verlassen um Richtung Norden zur Halbinsel Vatness zu gelangen. Dazu umrunden wir Fjord um Fjord und Fjord um Fjord. Das ist mühsam und macht keinen Spaß. Dazu erkennen wir recht schnell, dass das gute Wetter hinter uns liegt und wir geradezu dicke Wolken fahren. Zunächst sind sie noch weiß und es wird nur nebelig - etwas später sind die Wolke schwarz und genauso fühlt sich die gesamte Szenerie an. Na toll!.
Die isländische Landschaft ändert sich wirklich nach Wetterlage. Das ist zwar überall auf der Welt so – in Island ist es uns aber stärker aufgefallen also sonst wo.

Denn durch die tiefen Wolken gibt es Lichter, die alles ins Dramatische, ins Bedrohliche, Liebliche oder Mystische tauchen. Gelegentlich schafft es ein Sonnenstrahl durch die Wolken und verleiht der gesamten Szenerie einen unwirklichen Eindruck. Kein Wunder, dass man in Island an Feen, Elfen und Trolle glaubt – hier ist es mystisch. Hätte ich diese Lichtspiele nur auf Fotos gesehen, würde ich glaube, jemand hätte am Farbregler von Lightroom gespielt. So aber ist es schlichtweg nur beeindruckend!



 

Bei uns steht noch der Felsbogen Hvítserkur auf dem Programm. Leider ist die Halbinsel Vatnsnesvegur durch das fiese Regenwetter finster und windig. Wir ziehen an, was eben geht (2 Jacken, Kapuze, Tuch) und kämpfen uns durch den starken Wind vom Parkplatz zur Küste.

 

Der Felsbogen Hvítserkur, ragt eindrucksvoll aus dem Meer und wirkt ziemlich gespenstisch. Kein Wunder, dass er laut Sage für einen versteinerten Troll gehalten wird. Ich begnüge mich, nicht weggeweht zu werden und überlasse Chris die Fotoshow.

Hvítserkur oder ist es doch ein versteinerte Troll?

 

Dann fahren wir weiter ins North West Hotel , ca. 10 km östlich von Hvammstangi. Vor dem Gebäude, das eher an ein Trucker Motel mit deutlichen Tankstellen-Charakter erinnert, fragen wir uns, wie wir sowas buchen konnten... aber in TripAdvisor hatte es doch Spitzenbewertungen? Also versuchen wir unser Glück. Wir wollen erst das Zimmer sehen und sind überrascht: es ist sauber und gut ausgestattet. Fein, das nehmen wir! Und weil wir zu müde sind, uns in noch ein Restaurant zu suchen, gehen wir ins Hotelrestaurant. Die Preise sind (für isländische Verhältnisse) günstig und die Burger super lecker. Gute Wahl! Und gut, dass wir nicht dem äußerlichen Eindruck erlegen sind...

 

6. September 2016: Auf in den Norden

Morgens werden wir beim Frühstück von sehr netten Besitzer des Hotels freundlich begrüßt: Er führt uns zu dem kleinen Buffet und weist uns auf die isländischen Spezialitäten (Smoked Lamp und selbstgebackenes Brot) hin. Cool, sowas haben wir auch noch nicht erlebt! Etwas später fragt er, in welche Richtung wir weiterfahren und gibt uns Tipps und Infomaterial mit. Wir wollen auf dem Weg nach Akureyri einen Umweg über Islands nördlichste Stadt Siglufjörður machen.

Das Wetter ist gruselig und in Blöndous überlegen wir noch einmal, ob es nicht doch besser ist, auf der N1 den schnellen Weg nach Akureyri zu nehmen. Andererseits so weit in Norden waren wir noch nie... und wer weiß, ob ich jemals wieder motiviert bin, nördlicher als Hamburg zu reisen. Also nehmen wir die schlappen 200 km Umweg in Kauf und es geht Richtung Polarkreis.

 

Siglufjörður ist nur jeweils durch Tunnel zu erreichen. Auf dem Hinweg müssen wir durch den Strákagöng Tunnel, einspurig mit Ausweichbuchten für den Gegenverkehr. Der knapp einen km lange Tunnel wurde 1967 eröffnet und offenbar war man in Island der Meinung, eine Spur sei völlig ausreichend. Und das ist sie – zumindest noch. Sobald Gegenverkehr kommt, wird die Ausweichbucht genutzt. Wir fragen uns, welch ein Chaos die Autofahrer in Deutschland in einem einspurigen Tunnel anrichten würden... hier klappt es. Und nach ca. 3 Stunden sind wir am Ziel.


Die gesamte Atmosphäre des einsamen Ortes erinnert uns an David Lynchs „Twin Peaks“

Siglufjörður hat nur 1.400 Einwohner und erlebte den Aufstieg und Fall durch den Heringsboom. Die gesamte Atmosphäre des einsamen Ortes erinnert uns an David Lynchs „Twin Peaks“. Was sicher auch am tiefen Nebel liegt. Hier wäre genau die optimale Szenerie für Mystery Filme. Um den Nässe- und Kälteschock zu verdauen, zieht es uns erst mal ins Kaffee.

Hier ist es ausgesprochen gemütlich und wir hätten uns gern durch die gesamte Alkoholauswahl probiert, aber dann wäre für heute die Reise zu Ende gewesen. Schade... Aber immerhin sind wir nach einem heißen Latte Macchiato bereit, uns in den Regen zu wagen.

Der Hafen mit seinen tiefenliegenden Wolken übt schon eine gewisse Faszination aus. Wir mutmaßen, dass hier die Häuschen so bunt sind, um Depressionen zu vermeiden – oder, um vielleicht auch einfach im Nebel nach Hause zu finden.

 

Richtig spannend ist das Heringsmuseum, wo sich ehemals die Heringsfabrik befand. Die Tür ist offen, keiner da, also geh ich vorsichtig rein und schau ich mir die alten Maschinen und Geräte an. Hinterher lese ich im Internet, dass es sehr wohl Eintritt gekostet hätte, wäre der Museumswärter da gewesen. So aber, wirkt alles noch verschlafener, weil man kaum eine Menschenseele in den Ort sieht... Trotz oder gerade wegen der gefühlten Einsamkeit übt die kleine Stadt eine unheimliche Faszination auf mich aus – schade, dass wir so schnell wieder weiter müssen.

 

Der Rückweg geht bedeutend schneller: Seit 2010 ist Siglufjörður mit Ólafsfjörður – oder auch dem Rest der Welt - mit zwei Tunneln verbunden, was die Weiterfahrt nach Akureyri deutlich verkürzt.

 

Akureyri

Mit etwas über 18.000 Einwohnern ist Akureyri die viertgrößte Stadt Islands und die größte außerhalb des Ballungsraumes Reykjavik. Doch das erste, was wir sehen ist ein überdimensionales Kreuzfahrtschiff. Eine riesige AIDA, die den Hafen förmlich überragt. Uuuups – damit hätten wir nicht gerechnet. Und es bleibt auch keine andere Wahl, als uns mit den AIDA Passagieren ins Touristen Getümmel zu stürzen. Wir wollen uns zunächst einen Überblick verschaffen und deshalb geht es die Treppen hoch zur Akureyrarkirkja („Akureyris Kirche“).

 

Die Kirche mit dem wenig spektakulären Namen wurde von Guðjón Samuelsson entworfen, dem Architekten, der auch die Hallgrimskirche in Reykjavik entworfen hat. Leider können wir nicht rein, da die Kirche bereits geschlossen hat. Also lassen wir es für heute mit der Kultur gut sein und begeben wir uns auf die Suche nach dem perfekten Island Pullover für Chris. Trotz der Fülle des Angebotes (von echten Island Pullovern bis zu den Plagiaten aus China) wird Chris nicht fündig. Wir bummeln noch ein wenig durch die kleine Stadt, die zwar einige schöne Häuschen zu bieten hat, im Grunde aber sehr touristisch ist. Ich hatte schon viel über Akureyri gelesen und bin ein wenig enttäuscht. Irgendwann haben wir genug und es zieht uns Richtung Hotel.

 

Das Hotel Kjarnalundur ist etwas außerhalb von Akureyri und sieht okay aus. Allerdings erleben wir beim Betreten des Zimmers kleinen Schock: es wirkt heruntergekommen und stinkt nach Rauch. Vielen Dank auch! Wir drehen um und kaum sind wir an der Rezeption (wahrscheinlich auch schon mit den entsprechend genervten Gesichtern), entschuldigt sich die Dame, sie hätte uns das falsche Zimmer gegeben. Das können wir zwar nicht so ganz glauben, weil sie uns ja auch den Weg dahin beschrieben hat. Aber wir wollten nicht rum diskutieren. Das neue Zimmer ist dann auch um Klassen besser: Kein Rauchgeruch und besser eingerichtet. Gut, dass wir aufgrund der langen Anreise und der Müdigkeit, nicht den ersten Vorschlag akzeptiert haben.

 

Akureyri hat uns nicht wirklich in seinen Bann gezogen. Also beschließen wir die Kultur sein zu lassen und uns stattdessen die Bäuche vollzuschlagen. In TripAdvisor finden wir das Bryggjan und hoffen, dass es nicht unsere komplette Urlaubskasse verschlingt.

Das Restaurant liegt direkt am Hafen von Akureyri in einem beeindruckenden historischen Gebäude. Innen wirkt es, durch das viele Holz, sehr gemütlich. Die Speisekarte ist sehr vielfältig und das Essen war auch lecker. Auch die Preise sind - für isländische Verhältnisse - in Ordnung. Gute Wahl – sehr satt und zufrieden geht es zurück ins Hotel.


Weiterlesen 4. Teil von unserer Island Rundreise
 

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