parallax background

Teil 4 Island: Húsavík – Wale und Wasserfälle

Teil 3 Island: Djúpavík – Vom Arsch der Welt zu den Trollen
6. September 2016
Teil 5 Island: Myvatn – Das Grau(-en) beginnt
9. September 2016
 

7. September 2016: Wale und Wasserfälle

H auptstadt des Walewatchings – so bezeichnet sich Husavik selbst. Und genau da wollen wir aus genau dem Grund auch hin. Deshalb müssen wir in Akureyri früh raus, denn natürlich haben wir noch keine Tickets (was in Anbetracht des unvorhersehbaren isländischen Wetters auch gar nicht so doof ist). Das Frühstück im Hotel ist in Buffetform. Und ganz okay, auch wenn wir wieder zwischen deutschen, italienischen und asiatischen Reisegruppen sitzen. Aber gut, die sind wir ja gleich los.

 

Die 90 km von Akureyri vergehen recht schnell. Husavík wurde im 9. Jahrhundert von einem schwedischen Wikinger namens Garðarr Svavarsson gegründet. Er war der erste Wikinger, der nicht achtlos an Island vorbei segelte, sondern die Insel erkundete. Dabei entdeckte Garðarr, dass es eine Insel war. Denn er war - laut Saga - der Erste, der Island umsegelte. Offenbar war der alte Wikinger auch ziemlich eitel, denn er benannte die neue Insel gleich nach sich selbst, nämlich Garðarsholmur. Angeblich überwinterte Garðarr in der Bucht, wo heute Húsavik liegt und baute dort das erste Haus. Vielleicht stammt daher der Name? Husavík heißt nämlich übersetzt so etwas wie „Häuserbucht“.

 

Kaum sind wir da, begrüßt uns ein lang vermisster Freund: die Sonne! Husavik ist ein nordischer Traum – zumindest in meiner Vorstellung.

Der Hafen liegt an der Skjálfandi-Bucht, im Vordergrund Fischerboote und Segelschiffe, im Hintergrund die Berge mit weißen Gletschern. Jetzt haben wir die Qual der Wahl. Denn der touristische Hafen scheint aus verschieden Anbietern fürs Wahlbeobachtungstouren zu bestehen. Tatsächlich sind es wohl nur drei – aber wenn man sich die Größe des gesamten Ortes mit satten 2.182 Einwohnern vorstellt, sind es „gefühlt“ viele. Wir entscheiden und für North Sailing , da der Anbieter mit Eco-friendly Tours wirbt (heißt, nicht zu dicht an die Wale ran und mit minimaler Emission) und auf TripAdvisor sehr gute Bewertungen hat.

 

Der Ticketkauf geht schnell von statten. Und wir haben sogar noch Zeit für einen Kaffee. Da ich nicht einschätzen kann, wie es mir bei einem Trip auf dem Polarmeer geht, will ich wenigstens was zu mir nehmen, dass ich gegebenenfalls über die Reling spucken kann (um Neptun zu besänftigen?). Das Schiff fasst 80 Leute – und wir sind etwas über 80 Leute... Da ich glaube, dass ich sofort erfriere, wenn das Schiff sinkt, unterlaß ich es, das Verhältnis Menschen-Rettungswesten zu hinterfragen. Kaum sind wir an Bord, bekommen wir jeder einen dicken Overall zum Schutz gegen Wind und Kälte. Nun sehen wir alle aus, wie dicke rote Teletubbies – aber egal: Die Dinger sind superwarm!

 

Der Schiffsguide heißt Niels. Ursprünglich kommt er aus dem Schwarzwald und ist in Island hängen geblieben. Er gibt uns einige Einweisungen, damit wir bei Walsichtungen verstehen wo sich was befindet und schnell von einer Seite zur anderen torkeln können (zumindest sieht es so aus, wenn die Teletubbie-Herde versucht sich schnell auf einem schwankenden Schiff zu bewegen). Im Polarmeer hat man die Chance, verschiedene Walarten zu sehen. Und so hoffe ich auf Orcas. Nach einiger Zeit sehen wir den ersten Walrücken. Und weg... Dann taucht er genau auf der anderen Seite des Schiffes wieder auf. Und die Teletubbies torkeln los. Tatsächlich ist es nicht so einfach, sich auf dem Schiff zu bewegen, ohne sich und andere zu verletzen. So eine Walsichtung will verdient sein – und wir werden belohnt mit dicken Buckelwalen. GEIL! Zum Glück hat Chris sein mörderschweres Teleobjektiv dabei. Ich brauche es mit meiner Bridge Kamera gar nicht zu versuchen.


 

Gut drei Stunden und einige Wale später, ist die Tour zu ende. Wir sind rundum glücklich – auch wenn wir „nur“ Buckelwale gesehen haben. Kurz wird das Glück getrübt, als alle anfangen die Overalls schon während der Rückfahrt auszuziehen. Blöder Herdentrieb – saudumme Idee: Jetzt erst wird klar, wie warm die halten... Im Café am Hafen essen wir noch eine Kleinigkeit und dann müssen wir uns auch schon vom schönen Husavík verabschieden.

 

Goðafoss oder wo die alten Götter keine Macht mehr haben

Der wohl bekannteste Wasserfall Islands liegt auf der Strecke von Husavík und Myvatn. Der Name Goðafoss geht zurück auf die Sagas. Der norwegische König Olaf hatte wohl angedroht, den Heiden kein Holz mehr für den Schiffsbau zu liefern. Deshalb beschloß der isländische Häuptling Þorgeir auf einer Thingversammlung etwa um 1000 n.Chr., sein Volk solle "praxisorientiert" das Christentum annehmen. Um zu beweisen, dass die alten Götter keine Macht haben, wurden deren Bildnisse achtlos in den Wasserfall geschmissen. Seitdem heißt dieser der Götterwasserfall (=Goðafoss).

 

Von weitem sehen wir schon MENSCHEN. Unfassbar viele Menschen. Auf dem Parkplatz angekommen, wissen wir auch warum: 5 AIDA-Busse warten hier. Ihr Inhalt tummelt sich am Wasserfall, laut und deutsch. Mist! Wir hatten gehofft, dass wir die in Akureyri hinter uns gelassen hätten – aber nix: da sind sie wieder! Wir haben keine Wahl: wir sind jetzt hier. Zum Glück naht der Aufbruch und kaum sind die Horden weg, wird es deutlich leerer und ruhiger. Chris packt sein Stativ aus und macht begeistert Fotos.

parallax background

Goðafoss - der Götterwasserfall

 

Obwohl das Wasser nur aus einer eher geringen Höhe von 12 Metern, in die Tiefe fällt – sind die Wassermassen einfach beeindruckend. Die 30m breite Kante ist wohl irgendwann mal aus einem Lavastrom entstanden. Die schwarzen Steine, das türkisfarbene Wasser und die Lichtstrahlen, die durch die Wolken dringen, geben der ganzen Szenerie was Mystisches. Was vielleicht auch an den alten Göttern liegt? Wer weiß... Immerhin hat Chris irgendwann genug Fotos gemacht und es geht weiter Richtung Myvatn.


 

Myvatn - der Mückensee

Der See Myvatn entstand wohl von 3500 Jahren bei einem Vulkanausbruch. Überhaupt ist das ganze Gebiet ist auch heute noch vulkanisch aktiv, da die Grenze zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte hier verläuft. Wie alles hier in Island wirkt der See mystisch und man kann sich gut Trolle und Feen vorstellen, die hier wohnen könnten. De facto sind es wohl eher riesige Mückenschwärme, die hier im Sommer ihr Unwesen treiben. Myvatn bedeutet nämlich übersetzt „Mückensee“. Nach dem langen Tag, wollen wir nun erst mal in unser Guesthouse.

 

Das Dimmuborgir Guesthouse sieht schon von weitem nett aus. Es besteht aus einigen kleinen Holzhütten und einem großen Holzhaus. Beim Check-in sagt uns die freundliche Dame, dass heute Nacht Nordlichter zu erwarten wären. Geil! Das Leben kann so schön sein!

Unser Glück währt, bis wir im großen Holzhaus in unserem Zimmer sind – wobei Container das passendere Wort ist. Denn das Haus ist nur außen aus Holz – innen komplett aus Plastik. Und klein. Man kann sich kaum rumdrehen. Das wiederum macht Chris ganz unglücklich. Plastik-Schuhkarton haben wir nicht gebucht. Wir diskutieren noch, wie sinnvoll es ist, sich zu beschweren oder weiter zu ziehen, aber lassen es dann für eine Nacht gut sein. Nur mit Ausruhen ist jetzt nichts mehr. Denn wir wollen nicht auf dem Bett in unserem Container sitzen und Plastik-Wände anstarren.

Wie dieses Guesthouse auf Tripadvisor ein "Certifikate of Excellence" erhalten kann, bleibt uns ein Rätsel...

 

Also ab ins Auto. Chris will als Entschädigung zum nahegelegenen Kraftfeld Námaskarð. Blöderweise haben wir den Reiseführer im Container vergessen und merken das natürlich erst unterwegs. Um nichts in der Welt wollen wir in den Plastiktempel zurück, also steuern wir den nächstgelegenen Vulkan an, von dem sich Chris das Kraftfeld verspricht.

Die Logik ist unbestechlich: Vulkan = Kraftfeld... nur dass hier alles vulkanisch ist... Wir parken vor dem Vulkan und machen uns auf den Weg nach oben. Es ist ziemlich windig und schweinekalt. Oben angekommen, schauen wir in ein Loch. Oder besser gesagt, in einen Krater. Allerdings ohne einen einzigen Blubb, der auf ein dampfendes Kraftfeld deuten könnte. Wir stehen, wie sich später herausstellt, auf dem Hverfjall-Krater. Eigentlich ist es ein Tuffring, der sich vor etwa 2500 Jahren in gewaltigen Wasserdampfexplosion bildete, als heißes Magma auf Grundwasser fiel. Auf der Erde gibt es wohl nur wenige Krater dieser Art. Das wissen wir aber auch erst im Nachhinein und können diesen seltenen Krater daher vor Ort nicht so richtig würdigen.

 

Auch wenn wir hier nicht das erhoffte Kraftfeld vorfinden, haben wir immerhin einen gigantischen Blick: Auf der einen Seite sehen wir den Myvatn, auf der anderen schauen wir über die „Dunklen Burgen“ (Dimmuborgir).

Irgendwann sind wir durchgefroren und hungrig. Genug vom Krater, wir machen uns auf die Suche nach was Essbarem. Die empfohlene Pizzeria stellt sich leider als Campingplatz-Kiosk heraus, der schon mit Campern mehr als überfüllt ist. Doch wir finden in Reykjahlíð eine isländische Landtaverne, das Gamli Bærinn – innen sehr gemütlich – bietet es gutes Essen an.

Anschließend geht zurück in das Fake-Holzhaus. Mitten in der Nacht springt Chris aus dem Bett. Er will Nordlichter sehen. Leider ist er der Meinung, dass ich das auch will... ich ziehe mir schlaftrunken was über, werfe einen Blick in die eiskalte Nacht und stelle fest, dass hier kein Nordlicht zu finden ist. Und tapse zurück ins Bett. Chris ist deutlich ausdauernder. Aber auch er sieht nichts – außer einem gigantischen Sternenhimmel, den er aufgrund der hellen Umgebungsbeleuchtung auch nicht fotografieren kann. Nach einer halben Stunde gibt er ebenfalls auf...

Weiterlesen 5. Teil von unserer Island Rundreise
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.