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4. Teil Uganda: Murchinson Falls National Park – Eine Bootsfahrt mit Folgen

10. Juni 2012
3. Teil Uganda: Murchinson Falls National Park – Durch den wilden Norden
8. Juni 2012
5. Teil Uganda: Kibale Forest National Park – Schimpansen Tracking im Regenwald
12. Juni 2012
 

9. Juni 2012: Die Murchinson Falls oder wo ist Willi?

A ls wir um 6.00 Uhr abfahrbereit vor Willis Landi stehen, sind wir „klinisch tot“. Langsam zehrt der „Urlaub“ an unseren Kräften. Trotzdem, kaum sind wir an der Fähre steigt die hammermäßige Vorfreude auf … gleich geht’s lohos!!!

Wir setzen mit der Fähre über, machen einen Gamedrive und dieser entlohnt uns für die ganzen Mühen. Schöner Park, tolle Tiere! (und vor allem VIELE). Wir sehen, Elefanten, Oribi, Uganda Kobs (kannte ich bis dahin noch nicht) Büffel (es ist in Uganda schwerer keinen Büffel zu sehen, als nicht darüber zu stolpern) , Nilpferde und vieles mehr. Sogar drei Löwen zeigen sich kurz. Safari-Herz was brauchst Du mehr?

 

Nach drei Stunden ist der Gamedrive vorüber. Ohhhh… Willi packt uns ins Auto und fährt los. Okay?!?! Wir haben keinen blassen Schimmer wohin...

Da in unserem Reiseverlauf nur Ort und Lodges stehen und höchstens eine Zusatzinfo wie Bootsfahrt, Gamedrive – aber keine Zeiten, Zeitdauern (hier hieß es im Vorfeld: Sprecht das mit dem Fahrer durch), müssen wir sehr oft nachfragen.

Ein typisches Info-Gespräch mit Willi sieht (z.B. IM MURCHINSON FALLS NP) in etwa so aus:

Anja: „When will we have the boat trip?“
Willi: “ Murchinson Park”
Anja: yes, but when? Which time?”
Willi: “grumelgrumel grumel”
Anja: “I didn’t get it”
Willi: ………sagt nix…….
Anja: Willi, which time???
Willi: “today”
Anja: “BUT WHICH TIME??”
Willi:”no worry – I’ll get you there”

DANKE FÜR FÜRS GESPRÄCH!

Dass dieser perfekte Informationsfluss noch Folgen haben wird, ahnen wir zum Glück noch nicht!

Willi fährt uns zum Chili Camp, das ein kleines Restaurant hat. Er wird uns dann wieder kurz vor dem Bootstrip abholen. Im Restaurant (wir haben ja jetzt viiiieel Zeit) bestellen wir aus Neugierde einen African Coffee. TREFFER! Wer einen megaleckeren Milchkaffee mag, für den gibt’s African Coffee. Serviert in einer riesigen Thermoskanne, brühend heiß, aber total geil! (leider ist manchmal Ingwer drin – dann oft weniger geil)

Als Willi uns abholt, sind wir gar (innen African Coffee – außen gefühlte 50 Grad im Schatten). Das Boot hat ca. 20 Plätze und ist zum Glück keine „African Queen“, die doppelstöckig den Nil entlang tuckert. Als erstes kriegen wir fette Schwimmwesten. Is klar! Im Nil wimmelt es vor riesigen Nilkrokodilen, da helfen die Schwimmwesten sicher ungemein.

Dann erleben wir eine mega-coole Nilfahrt! Wir waren ja schon auf dem Chobe (Botswana) und fanden die Flussfahrt toll. Aber noch schöner ist dieser Trip. Wir sehen die Nilkrokodile! Ob ich wohl mal so eine Schwimmweste ins Wasser fallen lassen soll, um zu sehen, was passiert? Chris ist dagegen. Er behauptet „grober Unfug“ würde auch in Uganda geahndet. Oooochhh…

Es gibt Elefanten, davor Nilpferde, daneben Büffel oder/und Antilopen sowie gefühlte 1000 Arten diverser Vögel. An jedes Tier wird, fotografierbereit, herangefahren. Es ist ein Traum! Das eigentliche Highlight, der Wasserfall ist weniger spektakulär – im Vergleich zu dem, was die Fahrt zu bieten hat. Kurz vor dem Wasserfall steigen einige Leute aus, um den Berg zu erwandern und sich dann von den Fahrern abholen zu lassen. Leider hab ich die falschen Schuhe an- und Willi hätte Bescheid wissen müssen.

 

Die Rückfahrt ist fast schon zu kurz und wir legen viel zu früh an. Viel zu früh ist nicht nur gefühlt…. Wir sind da – Willi nicht! Alle anderen verschwinden in Ihre Autos – wir nicht! Wir rufen George von der ungandischen Agentur an. Beschissenes Handynetz! Er versteht uns nicht! Na toll… Inzwischen ist die Bootsanlegestelle leer – bis auf uns und noch ein paar Ranger. Einer bietet uns Hilfe an und ruft gleich noch mal bei George an, damit dieser Willi Bescheid gibt. Nichts passiert.

Inzwischen beraten einige Leute, was zu tun sei (mit zwei übrig gebliebenen Muzungus). Das Gerücht taucht auf, Willi sei oben am Berg. Auf welchem Berg? Und wozu? Offenbar gibt es „auf dem Berg“ kein Handynetz. Cool! Mittlerweile finden wir „afrikanischen Recklinghausener Barock“ sehr verlockend… WIR WOLLEN IN DIE LODGE! Vielleicht fällt es Willi irgendwann doch auf, dass wir fehlen?? Vielleicht auch nicht…. WENN es ihm denn jemals auffällt, dann braucht er nur noch eine Stunde bis zu Bootsanlegestelle. Es wird inzwischen langsam dunkel…

 

Auf Willi warten ist keine Option (falls er denn je käme)

Ob uns Löwen fressen sei mal dahingestellt.

Aber der naheliegendste Feind lauert schon: die Moskitos haben uns getrackt und freuen sich offensichtlich aufs Dinner. Als wir die ersten Mordanschläge auf die Mistviecher verüben kommt der Ranger: „Oh you’re right - you don’t wanna be bitten by the Tsetse-Flys“. TSETSE FLIEGEN??? An die hatte ich noch gar nicht gedacht!

Ein fettes Halleluja für die hilfsbereiten Ranger. Es wird telefoniert, diskutiert und rumgefragt („herrenlose Muzungus günstig abzugeben“)... Um 19.00 Uhr kommt die letzte Fähre. Chris erkennt eine Gruppe Briten aus unserer Lodge. 11 Leute in einem Minibus- für genau 11 Leute. Zuerst sind sie nicht gerade „amused“ als der Ranger sie anspricht. Hier treffen afrikanische und europäische Mentalität aufeinander. Die Briten meinen der Bus sei voll – die Afrikaner meinen „da geht noch was“. Wir setzten auf die Afrikaner! Und gewonnen… wir dürfen mit!

Ich bin so dankbar, dass ich den Engländern spontan den EM-Sieg gönne (jetzt kann ich das ja zugeben). Meine Dankbarkeit wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, als wir mit Tempo 20-30 km/h und „scharfen“ Abbremsen (soweit man das bei diesem Tempo so nennen kann) den Weg entlang tuckern. Nach über einer Stunde treffen wir auf Willi, der an einer Weggabelung auf uns wartet. Er fährt den letzten km zur Lodge hinterher.

Sofort schiebe ich Chris bei Seite, der nach 2,5 h unnötiger Warterei, kurz vor einem Mordanschlag steht. Willi sieht zum ersten Mal zerknirscht aus! Was war los, Willi? Jetzt kommt raus, dass seine Infos – wie schon vermutet – voll fürn Arsch waren (Sorry…). Denn Willi hatte auf seinem Plan (den er vor uns „geheim“ hält), dass wir wandern würden und er uns am Berg abholen würde. Wir wussten nichts davon.

Offensichtlich ist es wirklich ein Missverständnis. Nach seinem hoch und heiligen Versprechens uns besser zu informieren, lassen wir es dabei bewenden.

Auch heute sehen wir die Lodge nur im Dunkeln… wir hätten ja gern mal gewusst, was sie so zu bieten hat.

 

10. Juni 2012: Geschüttelt, nicht gerührt und warum es nicht um Martini geht

„Good Morning Anja!“ vor Schreck lass ich fast meine Kaffeetasse fallen… Ich bin offenbar in Willis Hierarchie aufgestiegen – Chris nicht. Er kriegt nur ein „grmgmrmrm“ ÄTSCH!

Es ist sowieso nicht Chris´ Morgen. Nachdem wir im Dunkeln duschen und mit Notbeleuchtung (fast im Dunkeln) packen mussten – auf der Sambiya River Lodge gibt es ab 6.00 Uhr keinen Strom mehr – will er wenigstens einen Blick auf den Sambiya River werfen. Enttäuscht muss er feststellen, dass der einzige River in nächster Umgebung im Namen der Lodge vorkommt.

 

Yes, wir haben die Lodge auch mal bei Morgenlicht gesehen!

Und Willi hält eine Überraschung für uns bereit! Er fährt uns freiwillig den ominösen Berg hinauf – direkt zu den Murchinson Falls. Hier ist der Wasserfall wirklich schön, mit verschiedenen Regenbogen und einen einem tollen Blick über den Nil.

 

Leider müssen wir bald weiter. Auf dem Rückweg überfallen uns die lästigen, bissigen Fliegen, die uns schon im Kidepo angenagt hatten. Willi schließt schnell sein Fenster und - gesprächig wie er heute ist- meint „Tsetse-Flys“. …Hrrrrgggsss…. Okay, wenn das die Tsetsefliegen sind, brauch ich mich ja nicht mehr zu fürchten. Von denen sind wir ja schon zur Genüge gebissen worden…. Ich blättere hektisch im Reiseführer. Unter „Schlafkrankheit“ ist zu finden, dass die Ansteckungsgefahr relativ niedrig ist. Aber wieso fühl ich mich auf einmal soooo müde?

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Hoima, eine typische ugandische Kleinstadt

 

Die Straße gleicht wieder einer schlechten Pad (Schotterpisten in Afrika) – dafür wird die Landschaft umso schöner. Es ist Sonntag. Wir fahren an Hügeln und Tälern vorbei. Sehen Menschen in Sonntagskleidung, Gottesdienste, Frauen die in Flüssen ihre Wäsche waschen, Männer, die in Flüssen ihre Mopeds oder Fahrräder waschen, badende Kinder. Btw. der Esel wurde hier im wahrsten Sinne des Wortes durch den Drahtesel ersetzt. Besser so! Für die Esel. Denn die Behandlung von Tieren ist schon ein Dolchstoß für unsere zarten europäischen Seelen. Hühner hängen kopfüber an Fahrrädern (lebend versteht sich) und sogar zwei lebendige Schweine werden mit einem Moped transportiert.

 

Die Gegend hier ist ganz offensichtlich reicher und bunter als im Norden. Bald erreichen wir Hoima und (!!!) dürfen 45 min Pause machen! Cool! Ab durch Hoima. Eindrücke genießen (geil), Moskito Repellent kaufen (gabs nicht), dafür Zeitungen, kalte Getränke und eine ugandische Telefonkarte. Und ganz viel zum kucken.

 

Zurück beim Landi steht da ein zerknirschter Willi. Der Reifen ist platt, er muss zur Tanke reifenflicken. Die geschenkte Zeit für uns verbringen wir mit einem eiskalten Nile Special. Nach weiteren 2 Stunden sind wir endlich auf der Pad zum Kibale Forrest – aber nicht lang. Vor uns steht ein Minibus mit einem Platten. Willi hilft dem Driver und nach 20 min geht’s weiter.

 

Nach dreieinhalb weiteren Rüttelstunden erreichen wir die Lodge. Also nicht die, die wir vermutet (und gebucht hatten). Wir waren von Chimps Nest ausgegangen – gebracht werden wir zum Kibale Nature Forest Camp. Aha?!? Es ist inzwischen stockdunkel . Und ist alles scheißegal. Fast – denn als wir zu unserem Zelt gebracht werden, fällt der Generator aus. Mit letzter Akkuleistung meines Handys (dank iPhone gibt’s ja die Taschenlampen App – für die Großstadtindianer) finden wir unsere Taschenlampe. Die gibt einen lauen Strahl ab – bevor sie komplett kollabiert. Batterie leer – Handy Akku leer – Generator under construction. So sitzen wir im Dunkeln, müde, hungrig und verstaubt in unserem Zelt.

Gerettet werden wir von dem ausgesprochen freundlichen Personal. Man holt uns zum Essen und versorgt uns auch gleich mit einer Taschenlampe. Das was wir im Kerzenschein von der Lodge erkennen können, sieht echt toll aus. Viel Holz, liebevolle Details, nettes Personal. Nach einiger Zeit bekommen wir zwar kein Licht – aber Essen. Zwar auch wieder ein "Versuch" von internationaler Küche – aber sehr lecker.

Dann geht das Licht an! Juhu! Keine gute Idee…. Chris fällt vor Lachen fast vom Stuhl. Er behauptet, ich sehe so staubig aus, wie ein Sofa, das 100 Jahre auf dem Dachboden stand - die Scheidung ist eingereicht... ;-)

Weiterlesen 5. Teil von Moskito Tracking in Uganda

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