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Teil 4 Kenya: Die Masai Mara – Silvester oder Offroad ist nichts für Weicheier

31. Dezember 2012
Teil 3 Kenya: Die Masai Mara – Ein fast perfekter Tag
30. Dezember 2012
Teil 5 Kenya: Die Masai Mara – Happy New Year oder Another Day in Paradise
1. Januar 2013
 

31. Dezember 2012: Die große Silvester Party...

W ir erwachen am frühen Morgen. Irgendwas stimmt nicht. Es ist ruhig. Wir hören nur das leise Rauschen kleinen Flusses vor unserem Zelt. Es ist unheimlich… da fehlt doch was… Genau! Das dauerhafte, hartnäckige Geräusch der Regentropfen, die penetrant gegen unser Zeltdach prasseln. „Meinst Du, es hat tatsächlich aufgehört?“ Chris streckt seinen Kopf raus und brüllt: „Sonne!“ Schnell machen wir ein paar Fotos, wer weiß, wie lange unser Glück anhält…

Und jetzt sehen wir auch mal, wie die Lodge aussieht. Beim strömenden Regen sind wir immer mit gesenktem Kopf und Kapuzen bis über die Augen vom Zelt zum Frühstück gerannt. Echt schön hier! Wir treffen die anderen und alle haben das „Endlich-Sonne-Strahlen“-Gesicht aufgesetzt.

 

Jetzt steht einem Game Drive nichts mehr im Weg. Nicht???? Doch! Der Landi. Offenbar ist der wenig begeistert vom Wetter und springt nicht an. Damit hat er sich nicht nur unseren Zorn zugezogen, auch die sieben anderen sind wenig begeistert von der Dauernervensäge. Zum Glück ist es diesmal „nur“ die Verbindung zum Krümmer, die wieder abgegangen ist. Tja langsam kennen wir die Macken und überlisten die Karre. Los geht’s. Die anderen fahren voraus.

 

Doch beim Einsteigen druckst Jules, der Massai in unserem Auto, ein wenig herum. Was ist los? Na ja, er hat extra den Führerschein gemacht und würde auch gerne mal fahren. Er kennt sich super gut aus und die Wege seien kein Problem für ihn. Wir alle starren auf Chris. Unser Helldriver hat sich die ganze Zeit auf Schlammfahrten und Flüsse gefreut. Auf der anderen Seite ein Massai, der uns bittend mit großen Augen ansieht. Heinz und ich halten uns raus (wer uns beide kennt, weiß dass „Raushalten“ eigentlich nicht zu unseren hervorstechenden Eigenschaften gehört – aber Heinz flüstert mir zu: „nix sagen – da können wir nur verlieren“).

Also hängt es an Chris. Zu unserem Erstaunen nickt er und steigt an der Beifahrerseite ein. Jules startet, gibt Gas und fährt zielgenau auf den nächsten Baum zu. Der Landi knallt gegen den Baum. Uppppsss… Okay, es war nicht heftig, aber es wäre vermeidbar gewesen (der Baum war ca. 4 m entfernt und mit einem kleinen dreh am Lenkrad wäre auch nix passiert). Chris gibt ganz ruhig Anweisungen, den Rückwärtsgang einzulegen, das klappt auch, Jules startet wieder und zack – wir kleben am Baum. Jetzt haben auch die beiden auf den billigen Plätzen ihre guten Vorsätze vergessen. Die Strecke in der Mara ist mehr als tricky und wir haben alle samt kein Vertrauen mehr in Jules Fahrkünste. Er tut mir entsetzlich leid, als er wieder auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, denn er sich sichtlich geknickt. Wir leiden mit ihm - nicht genug allerdings, dass wir im Matsch feststecken oder im Talek ertrinken wollen – vorausgesetzt wir würden es jemals vom Parkplatz weg schaffen.

Als Chris, unser Helldriver, wieder das Steuer übernimmt, geht es zügig Richtung Park. Blöd nur, dass er am Schlammfahren soviel Spaß hat, dass er alle Pfützen mit Begeisterung mitnimmt. Durch die offenen Fenster haben wir dann auch alle was davon. Das Waschenlassen unserer Klamotten haben wir inzwischen aufgegeben und beschränken uns damit abends den Matsch ab zu klopfen.

Auf dem anschließenden Gamedrive sehen wir u.a. folgende Tiere:

 

Wir kommen an einen Seitenarm der Mara und haben ein riesen Elefantenglück. Oben tummeln sich die Eles unten lauern die Krokodile.Einer der kleinen Elefanten ist besonders neugierig und versucht den Hang runter zu klettern...

 

Die Show ist so geil, dass sogar die streitlustigsten Zuschauer friedlich sind. Mit Heinz und mir auf der Rückbank ist das nämlich so eine Sache. „Du brauchst zu viel Platz!“ Halt mal das Bier!“ He, Du hast das letzte Bier ausgetrunken!“ „Gib mal…!“ (ein Satz den alle Männer gern verwenden – dicht gefolgt von „Wo ist…?“) Männer haben zudem die Eigenschaft auf Dingen zu stehen, ohne es zu merken. Was ich nie verstehen werde – denn das ist unter Umständen auch ziemlich unbequem. Vielleicht liegt es daran, dass Männer nicht multitaskingfähig sind? Heinz ist es jedenfalls nicht. Wenn er sich auf was außerhalb des Landis konzentriert steht er gerne auf: meiner Hand, meinem Fuß, meinem Photoapparat, meiner Jacke, seiner Jacke, den Chips… Irgendwann ist auch klar, warum Chris die ganze Zeit fahren will (o-Ton: „Zuviel Stress auf den billigen Plätzen“) und Sigi sich in das andere Auto verzogen hat. Bemerkenswert ist auch, nachdem Heinz drei Stunden auf seiner Jacke stand, mir diese empört unter die Nase hält mit dem Vorwurf: „Wieso ist meine Jacke so dreckig?!?!“… Ach….

Rechtzeitig zu unserem Picknick an der Mara verzieht sich die Sonne, aber immerhin die Hippos bleiben.

Ein Gutes hat es, dass an unserem Landi nix wirklich fixiert ist – die Autositze eigenen sich hervorragend zum Picknicken.

 

Als wir vollgefuttert wieder weiterfahren ist die Vorfreude auf die nächsten Tiere nicht von Dauer. Preisfrage: Wieso??? Richtig, der Landi! Er zieht nicht mehr und außerdem ist das doofe Ding am Krümmer wieder ab.

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Offroad in Afrika - nichts für heimische SUV Weicheier

 

Um es kurz zu machen, es blieb nicht die einzige Panne. Aber immerhin konnte Heinz mit Hilfe eines Drahtkleiderbügels diese bescheuerte Krümmerverbindung so fixieren, dass sie bis zum Ende des Urlaubs hält. Wir haben sowieso inzwischen die Theorie, dass bei unserer Autovermietung „Frisch gewartet“ einfach nur bedeutet: mit der Karre waren grad andere Touris unterwegs und die haben das Nötigste wieder reparieren lassen…

Irgendwann hat sogar Chris keinen Bock mehr auf Schlammfahren und lässt Heinz ans Steuer. Vielleicht hat er auch die Zankereien auf der Rückbank satt… Böse Zungen behaupten ja, es läge an der Kombi Heinz-Anja, aber das halte ich für ein fieses Gerücht.

Nach einer Weile kommen wir wieder an unsere Flussdurchquerung. Ha! Jetzt will ich aber rausfotografieren und stehe auf. Chris meint: „Bleib sitzen! Da kommt das üble Schlagloch!“ Pffffffttttt…. Natürlich weiß ich es besser und bleibe stehen. Kein Problem… auf einmal ruckt das Auto, ich fliege nach hinten, reiße den Arm hoch, um den Photoapparat zu schützen, fliege wieder nach vorne und fange den Sturz mit meiner Rippe ab. AUA! (aber immerhin dem Photo ist nix passiert). Shit, tut das weh. Ich setzte mich brav wieder hin. Und ja, es hat mir die Sprache verschlagen. Erst mal bin ich mit atmen beschäftigt – und das tut schon höllisch weh! Insgeheim hege ich den Verdacht, dass das hier ein abgekartetes Spiel war: Chris wußte, dass ich bei seiner Ansage natürlich stehen bleibe und Heinz ist volle Kanne in das Schlagloch gerauscht. Aber ich kann nicht mal meckern. Meckern tut weh. Ich hab natürlich für den Rest des Urlaubs Spaß an der Rippe, muss einen auf tapferer Indianer machen – denn sonst kommt der Hätteste-mal-auf-mich-gehört-Blick. Und darauf kann ich ja mal ganz verzichten.

 

Als wir die Lodge erreichen, regnet es wieder. Laut Gerdi, der Lodge-Besitzerin hat es wohl den ganzen Tag in Talek geschüttet. Nun haben wir nicht nur eine kalte Dusche (ohne Solar eben keinen Strom) sondern auch klamme Handtücher und Klamotten, denn die Feuchtigkeit dringt überall ein. Wir müssen uns beeilen, heute ist Silvesterempfang. Ich werfe einen traurigen Blick auf mein Sommerkleid, das eigentlich für den Abend gedacht war, schmeiße mich aber in T-Shirt, darüber einen dünnen Pulli, darüber einen Hoodie, darüber den Parka und ein dickes Halstuch. So hatte ich mir Silvester in der Massai Mara gar nicht vorgestellt.

Unsere Silvesterfete ist auch nicht ganz so ausgiebig wie geplant. Zwar gibt es leckeres Essen und viele gute Getränke – aber wir sind tierisch müde. Sigi verabschiedet sich um 22.00 Uhr, Chris und ich eine halbe Stunde später und Heinz landet schließlich auch noch vor Mitternacht im Bett. Dann muss eben das neue Jahr am nächsten Morgen, beim Brunch, begossen werden.

Weiterlesen 5. Teil von Don´t touch this car

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