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Teil 1 Südafrika: Marakele NP – Ein (fast) perfekter Start

8. Februar 2017
Schlammbad in Südafrika
7. Februar 2017
Teil 2 Südafrika: Miese Silvesterparty & Der beste Start ins neue Jahr (ever)
10. Februar 2017
 

28. Dezember 2016: Johannesburg - Marakele Nationalpark

U m 4 Uhr wache ich auf. Voller Neid schaue ich auf meinen schlafenden Ehemann (der später behaupten wird, kein Auge zugemacht zu haben). Das Frühstück ist okay und weil die Stewardess so nett zu uns ist, werden Chris und ich gleich Mitglied beim Air France Loyality Programm. Ich weiß... Kundenfänger und so weiter. Aber um 6 Uhr morgens vor dem ersten Kaffee bin ich zu allem bereit. Egal, bald sind wir da und sitzen vor unserem kleinen Zelt im Makarele NP. Glauben wir zu diesem Zeitpunkt noch...

In Johannesburg erwartet uns das Riesenchaos. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir nach SA einreisen. Aber sowas haben wir noch nicht erlebt. Eine lange Schlange vor der Immigration Control und nichts geht. Gar nichts. Die Vermutungen (in deutsch, französisch und englisch) reichen von: „Die haben keinen Bock“ – „Die Computer sind ausgefallen“- „Mittagspause“. Es dauert. Und dauert.

Als wir knapp zwei Stunden später die Autovermietung mit einem nagelneuen „Ford Eco irgendwas“ verlassen, ist es 14:40 und das Navi zeigt, dass wir um 17: 25 Uhr ankommen. Phuuu... das wird knapp! Aber machbar. Unsere Einschätzung der Situation ändert sich rasant, als wir bei Pretoria in einen Stau geraten. Mist! Der war nicht geplant und kostet uns noch mal eine halbe Stunde. Die Ankunftszeit springt auf 17:55 Uhr Jetzt wird es wirklich sehr sehr knapp. Das Gate schließt um 18:30 Uhr.

Und wir müssen noch irgendwas zu essen besorgen, da es keinen Shop oder gar ein Restaurant im Marakele gibt. Wir sind aber immer noch zuversichtlich, machen schon im Auto eine Einkaufsliste und wollen es in einer halben Stunde schaffen. In Bela Bela steuern wir einen Supermarkt an und liegen mit unserem Schnelleinkauf perfekt in der Zeit. Chris schafft es sogar auf der Landstraße wieder ein paar Minuten aufzuholen. Das geht super – bis wir der Abzweigung folgen (D928 Richtung Roiberg). Die Straße wird zur Sandpiste.

Inzwischen hat es angefangen zu regnen. In Strömen. Statt Pfützen fahren wir durch kleine Seen. Der Weg wird zur Rutschpartie. Das Wasser spritzt übers Dach – mir rutscht das Herz in die Hose. Aber Chris meint, er könne unter gar keinen Umständen langsamer fahren, da wir sonst stecken bleiben. Was dann auch nicht die Chance erhöht, dass wir rechtzeitig im Park ankommen.

 
 

Das Navi ist unerbittlich: erst lockt es uns auf den wirklich besch... Weg und dann rückt die Ankunftszeit genüsslich Minute um Minute vorwärts. Wir sind entnervt. Das hatten wir nicht gebucht! „Immer so ein Mist“ kotzt mein (tapfer fahrender) Ehemann vor sich hin. „Da fahren wir schon nicht nach Kenia, sondern nach Südafrika - und dann sowas...“

Kurz vor der Roiberg wird die Straße besser, um danach wieder zur Rutsch – und Schlammpartie zu werden. Wir rutschen weiter, bis wir um 18:26 Uhr das Gate erreichen. Juhu! Doch unsere Freude währt nicht lang: „You are too late. The gate closes at 18:00“. Ähhh – what? Doch nach dem kurzen Schock, ist er nett und lässt uns – unter gefühlt 20 tausend Ermahnungen – rein und gibt uns auch gleich den Schlüssel für unser Zeit. Die letzten 15 km zum Tlopi Camp kommen uns wie eine Ewigkeit vor. Zumal es immer dunkler wird – und es natürlich noch weiterhin regnet. Immerhin begrüßen uns direkt Kudus, Zebras und Impalas. Der 670 Quadratkilometer große Park besteht aus zwei Gebieten: der „Small 5 Section“ mit Antilopen, Zebras etc. und einer „Big 5 Area“, in der es zwar keine Katzen, aber immerhin Elefanten und Rhinos geben soll. Unser Camp liegt inmitten der Big 5 Area und ist durch eine kleine Schleuse und einen Tunnel („press the Button on the right“) zu erreichen.

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Marakele Nationalpark - Ein Traum, wenn es nicht regnet

 

Kurz nach der Schleuse gibt es ein riesiges Schlagloch, das Chris aufgrund der Müdigkeit übersieht. Bums! Die Lebensmittel, fliegen durchs Auto. Sch.... da war der Rotwein dabei. Seitlich sehe ich schon eine Tomatenbüchse unter meinem Vordersitz. Das wird ein Spaß... Ich versuche den Schaden zu ertasten, aber Chris meint, die Rotwein-Eiersuppe würde durch blutige Finger (wegen der vermuteten Scherben) nicht besser. Also lass ich es. Da wir nichts ändern können, fahren wir weiter.

Endlich erreichen wir Tlopi Tended Camp am Tlopi Dam. Es besteht aus zehn Zelten und ist nicht eingezäunt. Das bedeutet, dass wir heute nicht noch mal einen auf den Deckel bekommen, weil wir viel zu spät dran sind. Bei strömenden Regen und Dunkelheit räumen wir Gepäck und alle auffindbaren Lebensmittel aus dem Auto. Und oh Wunder – es sieht zwar aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber alles ist heil geblieben. Den Rotwein köpfen wir auch gleich, um auf den ersten (so gelungen) Urlaubstag anzustoßen. Es kann nur besser werden.

 

29. Dezember 2016: Marakele Nationalpark

T ock – Tocktock – Tocktocktock. Was zur Hölle ist das? Ich von einem merkwürdigen Klopfen. Gefühlt neben meinem Ohr – aber immerhin doch recht nah. Ich linse durch das Zeltfenster und entdecke einen wildgewordenen Frankolin, der auf die Nebelscheinwerfer unseres Autos einhackt. Dann auf die Motorhaube springt und die Scheibenwischer bearbeitet. Ruckzuck springe ich aus dem Bett und vertreibe das blöde Vieh (okay, nicht ohne ihn vorher gefilmt zu haben... denn das glaubt mir doch sonst kein Mensch!)

Der Dauerregen hat inzwischen aufgehört, die Wolkendecke öffnet sich und wir erkennen die ersten Sonnenstrahlen. Ich wußte es doch: Regenzeit in Südafrika bedeutet mal einen kurzen Schauer, oder vielleicht auch mal einen etwas längeren – aber eigentlich ist das Wetter gut.

 

Also los, auf den Lenong Viewing Point. Unser Camp liegt mit 1200 m relativ hoch – der Viewing Point befindet sich in 2020m Höhe. Auf dem Weg sehen wir ... nichts. Schöne Landschaften, keine Tiere. Oder fast keine Tiere.

Beim ersten Stopp, um die Berge zu fotografieren, entdecke ich einen wunderschönen Schmetterling. Geil! Doch Chris ist nicht gewillt „wegen eines blöden Schmetterlings“ das Objektiv von Weitwinkel auf Zoom zu wechseln. Und mit meiner Bridge kriege ich ihn auch nach mehreren Versuchen nicht scharf. Die daraufhin entstehende Diskussion ist dem Schmetterling offenbar zu doof und er verzieht sich. Etwas später, auf dem Viewing Point angelangt, werden wir von einem fetten Schild, begrüßt dass auf die besondere, endemische Schmetterlingsart hinweist – also genau der, den... ach was soll’s. Immerhin knipse ich das Schild (um es meinem Mann LEBENSLÄNGLICH unter die Nase zu reiben).

 
 

Leider befindet sich genau auf dem Lenong Viewing Point ein Sperrgebiet der South African National Defence Force mit einem wirklich hässlichen Antennenmeer. In die andere Richtung haben wir allerdings einen wunderschönen Blick.

 

Und nun können wir gelöst beobachten, wie sich das Bergmassiv langsam in fette Wolken hüllt. Nichts wie weg. Auf dem Rückweg sehen wir seitlich ein kleines Chamäleon die Straße entlanglaufen. Die Viecher sind zwar eigentlich grottenlangsam – können aber offenbar auch den Turbogang einlegen. Wir drehen uns kurz rum, um die Fotoapparate von der Rückbank zu nehmen – und zack ist das Viech weg. Shit! Wir suchen noch eine Zeitlang, aber das erste (oder zweite – je nach Perspekte) spannende Tier ist fort. Mist...

In Ermangelung irgendwelcher weiterer Sichtungen (die Jagd nach Chamäleons haben wir nach kurzer Zeit aufgegeben) fahren wir raus aus dem Park nach Thabazimbi, dem nächstgelegenen Ort, um das einzukaufen, was wir bei unserem Schnelleinkauf alles vergessen haben.

Auf der Rückfahrt zu unserem Camp genießen wir die unglaubliche Landschaft vom Marakele Nationalpark. Tiere sind eben doch nicht alles...

 

Und weil es anschließend wieder stark schüttet, beschließen wir uns in unserem Zelt auszuruhen - lediglich gestört vom debilen Frankolin, der schon wieder unser Auto attackiert.

Abends grillen wir und da es schon wieder regnet, müssen wir im Küchenzelt essen. Kurz bevor wir fertig sind, spüre ich was Pelziges an meinen nackten Füßen. Ich schau nach unten und sehe eine Maus, die offenbar genauso erschrocken ist, wie ich. Chris sieht sie auch und meint: „Eine Ratte“. Uuups?!? Ich bin mir sicher, nein, ich will mir sicher sein, dass es eine Maus war... vor Ratten hab ich nämlich Angst. Obwohl ich weiterhin an meiner Maustheorie festhalte, ist der Abend im Küchenzelt gelaufen (und ich betrete dieses ab nun nur noch in dicken Wanderschuhen).

 

30. Dezember 2016: Marakele Nationalpark

D er olle Frankolin weckt uns zwar elendsfrüh, aber wir stehen erst um sieben Uhr auf und frühstücken in aller Ruhe. Danach starten wir einen kleinen Game Drive, weniger weil wir – nach dem gestrigen Tag – noch was erwarten, als mehr „weil man ja eh da ist“. Diesmal sehen wir nicht mal ein Impala. Doch als wir uns schon kräftig über den Mangel an Tieren unterhalten, taucht ein Elefant auf. Ich bin so erstaunt, dass ich nur „Ahhh... daaa“ rauskriege, was zugegebenermaßen Christoph wenig Aufschluss, darauf gibt, wo und vor allem was zu sehen gibt. Und als er ihn sieht, ist der Elefant schon kaum noch in Fotoreichweite. Unfassbar! Das Dickicht ist hier so stark, dass sogar Elefanten dahinter völlig verschwinden. Wir schauen dem einen Ele betrübt hinterher, da sehe ich wie der Rest der Herde den Weg überquert. Wieder sind wir zu langsam. Doch ein Nachzügler trottet den Weg entlang. Genau auf ein Safari Fahrzeug zu (übrigens das Einzige, das wir im Marakele sehen). Auf einmal gibt Chris Gas. „He, bist Du verrückt?“ frage ich voller Entsetzen. „Nee, aber schau mal nach hinten“, und ich sehe, wie ein großer Elefant unser Auto verfolgt, es sich dann überlegt und glücklicherweise im Dickicht verschwindet. Der stand offenbar genau neben uns und hat schon ein drohend mit den Ohren gewedelt, als Chris beschloss doch lieber Gas zu geben, statt die Kamera zu zücken. Und das will was heißen: normalerweise bin ich der Schisser, während er noch in aller Ruhe (und meinem Gejammer zum Trotz) fotografiert. Trotz der miesen Fotoausbeute, sind wir froh: Unsere ersten Elefanten in diesem Urlaub – und im Marakele haben wir gar nicht mit Elefanten gerechnet.

 

Leider fängt es nach kurzer Zeit wieder an heftig zu regnen. Die Wege verwandeln sich in glitschige Seen, aber gut, Chris ist Fahren auf nassen Sandpisten ja inzwischen gewohnt.

 

Nach einiger Zeit sehen wir, drei Rhinos (White Rhinos) die Straße überqueren. So ein Glück!

 

Irgendwann wird es uns aber zu nass und wir wollen zurück in unser Camp. Offenbar war der Gedanke mit „nur ab und zu ein kurzer Schauer“ totaler Blödsinn – zumindest hier im Marakele Nationalpark. Doch gegen Nachmittag haben wir auch noch mal Glück: die Sonne lässt sich blicken und Imaplas, Kudus und Zebras tummeln sich an „unserem Dam“. Aber natürlich sind wir angefixt und wohl noch mal zu den Elefanten. Ob wir noch mal in die Nähe gekommen sind, wissen wir nicht. Das unfassbare Dickicht lässt nicht mal den kleinsten Ausblick auf einen Rüssel oder ein Rhino Horn zu. Ein wenig enttäuscht, kommen wir zurück auf unsere Terrasse. Wenn schon keine Tiere, dann wenigstens Alkohol. Wir öffnen unser Windhoek Lager und sehen einen dicken Elefanten am Ufer (ja, er ist wirklich da!) Jetzt, gibt’s die Show vor unserem Zelt – das Leben kann so geil sein!

 

Das Abendlicht tut sein Übriges und taucht die Berge in ein unglaubliches Licht.

 

Jetzt hat Marakele NP völlig unser Herz erobert. Auch wenn es hier nicht die gigantische Tierdichte gibt, sind wir von diesem kleinen Nationalpark total begeistert.

Weiterlesen 2. Teil von unserer Südafrika Rundreise
 

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